Telefónica: Fragwürdiger Handel mit Standortdaten
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Jüngsten Berichten zufolge möchte der spanische Telekom-Konzern Telefónica personenbezogene Daten seiner Kunden mit weiteren Angaben verbinden und zu Geld machen. Dabei sollen sogenannte Bestandsdaten (Alter, Geschlecht etc.) mit Standortdaten zu Bewegungsprofilen verknüpft und für Werbezwecke verhökert werden.
Unter dem Titel „Smart Steps“ möchte der Konzern, der in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken soll, beispielsweise aufzeichnen, wo sich seine Kunden zu welchem Zeitpunkt aufhalten, wo sie hingehen oder vor welchem Schaufenster sie wie lange verweilen. In der Folge will Telefónica den Handel mit Kundenfrequenzdaten beliefern. Auch die Marktforschung hat großes Interesse, an derartige Daten zu kommen. Die GfK-Gruppe, eine der größten in der Branche, hat auch schon angebissen und laut einer Mitteilung bereits eine entsprechende "strategische Vereinbarung" mit Telefónica getroffen.
Der Telekom-Riese hat für die Durchführung des Smart-Steps-Projekts eine eigene Abteilung geschaffen. Die Telefónica Dynamic Insights soll künftig "rund um den Globus Unternehmen sowie die öffentliche Hand mit 'analytischen Einsichten' versorgen, damit diese effektiver arbeiten können". Angeboten werden soll eine ganze Reihe verschiedener Produkte und Dienstleistungen, wie etwa M2M (Machine-to-Machine-Data) oder anonymisierte und aggregierte Daten aus mobilen Netzwerken. Gestartet wird das Projekt in Großbritannien. Für Deutschland, wo Telefónica mit der Marke 02 vertreten ist, soll es "derzeit keine konkreten Pläne" zur Produkteinführung geben.
Neu ist der Handel mit Bewegungsdaten indes nicht. So betreibt beispielsweise die österreichische Mobilkom schon seit 2009 Handel mit den (anonymisierten) Bewegungsdaten ihrer Kunden (unwatched berichtete). Die Zustimmung der Betroffenen hat das Unternehmen hierfür scheinbar nicht eingeholt. Inzwischen kooperiert der Navi-Hersteller TomTom mit dem mittlerweile in A1 unbenannten Telekom-Anbieter, aber auch mit Vodafone, um Autofahrer auf vermeintliche Staus aufmerksam zu machen.
Stets wird dabei betont, dass die verarbeiteten Daten ohnehin anonymisiert werden und daher keine Verletzung der Privatsphäre vorliegt. Doch echte Anonymisierung ist schwierig, denn aus den inhaltlichen Zusammenhängen der Daten lassen sich oftmals doch wieder Rückschlüsse auf eine bestimmte Person ziehen. Auch vor technischen Pannen, vergrämten Mitarbeitern oder übel meinenden Hackern gibt es keinen hundertprozentigen Schutz.
Auch vielen Datenschützern in Deutschland ist die Sache nicht geheuer. Thilo Weichert, der Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, erklärte beispielsweise gegenüber der Tagesschau, er sehe Standortdaten als hochsensibel an, weil eben über sie eindeutig erkennbar ist, wo sich jemand aufhält. Insofern sehe er es "mit großen Bauchschmerzen, dass jetzt offensichtlich Telekommunikationsunternehmen beginnen, diese Daten in die Welt zu streuen". Auch der deutsche Datenschutzbeauftragte des Bundes, Peter Schaar, hat vor einer Verletzung der Privatsphäre durch Mobilfunkanbieter gewarnt.
Unterdessen hat sich die deutsche Bundesregierung zu dieser Sache geäußert. Demnach ist der Handel mit Standortdaten grundsätzlich verboten. Standortdaten dürften nur anonymisiert oder mit Einwilligung des Handybesitzers weitergegeben werden – und dann auch nur an "Dienste mit Zusatznutzen", etwa zur Registrierung von Verkehrsströmen, so ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Dies gelte auch in anderen EU-Ländern. [unwatched]
Kurz-URL zu diesem Beitrag: http://unurl.org/jyG
Bild: Mykel (CC BY-SA 2.0)


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