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Startseite » EDRi-gram Nr. 6.7, 9. April 2008

Frankreich: Vernetzen kann Ihre Geldbörse gefährden.

Verfasst von sac am 14. April 2008 - 19:11
  • Frankreich
  • Rechtsprechung
  • Redefreiheit

Eine kürzliche Entscheidung des Pariser Tribunals hat drei verschiedene französische Websites wegen der Links zu einer anderen Website verurteilt, die Klatsch über den französischen Schauspieler Olivier Martinez führt.

Der Schauspieler hat drei Webseiten verklagt (Fuzz.fr, Vivre-en-normandie.com and CroixRousse.net), die auf externe Webseiten verlinkt waren, wo die genannten Informationen angeboten werden.

Fuzz.fr ist eine Digg-ähnliche Webseite, auf der die User abstimmen können, welche Neuigkeiten zuerst erscheinen. Dennoch hat das Gericht entschieden, dass der Besitzer der Seite eine redaktionelle Verantwortlichkeit hat, auch wenn es sich um einen Digg-Dienst handelt, und ihn zur Zahlung von 1000 Euros Schadensersatz wegen der Verletzung der Privatsphäre des Schauspielers und 1500 Euro Gerichtsgebühr verurteilt.

CroixRousse.net hat nur den Titel und einen Link zu einer Yahoo-Nachricht über das gleiche Thema gebracht, der Richter entschied dennoch auf eine Strafzahlung von 500 Euro wegen des selben Vergehens. Auch ein Blogger, der auf Vivre-en-Normandie schreibt, wurde zur Zahlung der gleichen Summe verurteilt, weil er einen Link zu ähnlichen Inhalten bereitgestellt hatte.

Eric Dupin, der Inhaber von Fuzz.fr und ein berühmter französischer Blogger, hat Einspruch gegen das Urteil eingelegt. Er weist darauf hin, dass das Gericht die Websites von web 2.0 nicht verstehe. Dupin versucht nicht, seine Verantwortung in Bezug auf die betroffenen Seiten zu leugnen, stellt aber die Prozedur in diesem Fall in Frage: "Das Problem liegt in der Methode: wir wurden nie aufgefordert, den betroffenen Link zu entfernen, was ich getan hätte. Wir wurden sofort dem Gericht unterstellt."

Laurent Galichet, der junge Inhaber von CroixRousse.net, der in 2008 insgesamt 3,80 Euro mit seiner Website verdient hat, zeigt sich völlig verblüfft: "Das bedeutet also, dass du angegriffen werden kannst, wenn du auf deiner Website einen Link aufstellst? … Das ist, als würde man Kiosks angreifen, weil eine der dort angebotenen Zeitungen in einen Gerichtsprozess verstrickt ist."

Anscheinend gibt es auch noch 17 andere Webseiten, die vom Anwalt des Schauspielers wegen ähnlicher Anschuldigungen verklagt werden, auch wenn die Inhalte von mehreren Online-Quellen vervielfältigt wurden, einige davon auch außerhalb Frankreichs.

A wave of condemnations shakes the French Web 2.0 (französisch, 27.03.2008)

Case Olivier Martinez vs. Fuzz : Fuzz condemned (französisch, 27.03.2008)

Parts of the Court decision (französisch, 28.03.2008)

The French web passes through black hours...(französisch, 28.03.2008)

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