YouTube in der Türkei schon wieder gesperrt

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Fr, 08/02/2008 - 20:14

Der Beschluss eines türkischen Gerichts vom 17. Januar 2008 hat wieder einmal zur Sperre von Googles YouTube-Seite geführt, da angeblich beleidigende Clips mit Anspielungen auf den Gründervater des Landes, Mustafa Kemal Atatürk, gezeigt wurden.

Die Sperre dauerte sechs Tage und da weder Turk Telecom, die die Sperre durchgeführt hat, noch Vertreter von YouTube sich dazu geäußert haben, ist unklar, ob die Sperre aufgehoben wurde, weil die fraglichen Clips entfernt wurden oder nicht.

Die Situation scheint ein sich wiederholendes Muster zu sein, da YouTube erstmals im März 2007 wegen ähnlicher Anschuldigungen gesperrt worden war, bis das als respektlos geltende Video von der Seite entfernt wurde. Im September beauftragte ein Gericht in der osttürkischen Stadt Sivas die ISPs, den Zugriff auf YouTube wegen eines Videos zu sperren, in dem angeblich Ataturk, Präsident Abdullah Gül, Prämierminister Recep Tayyip Erdogan und die türkische Armee beleidigt wurden; die Sperre trat jedoch nicht in Kraft.

Die Sperren von YouTube sind Ausdruck der Probleme, die in der Türkei mit der freien Meinungsäußerung bestehen. Türkische Schriftsteller und Journalisten standen vor Gericht, weil sie angeblich das „Türkentum“ beleidigt hatten; das Land, das anstrebt, Mitglied der EU zu werden, steht in dieser Sache schon jetzt unter dem Druck der EU und muss die Situation verbessern. Die EU fordert von der Türkei außerdem, eine Klausel im Strafgesetzbuch zu streichen, die gegen die Redefreiheit verstößt.

Heftige Kritik an dieser Situation kommt auch aus dem Land selbst. Der Journalist Emre Aköz von Sabat ist der Ansicht, dass diese Sperre die Türkei in die lange Reihe undemokratischer Regierungsformen einordnet und jenen, die gegen das Festhalten der Türkei an der EU sind, die Gelegenheit gibt zu sagen: „Wir haben es euch ja gleich gesagt, diese Leute sind für Sperren. Sie haben keine Toleranz. Sie vertragen keine Kritik. Hier habt ihr den Beweis.“ Der Journalist Mehmet Barlas von Posta bringt folgende Meinung ein: „Können wir nicht sagen, dass wir die virtuelle Welt mit dieser Sperre von YouTube unter unsere Kontrolle gebracht haben? Können wir nicht. Die virtuelle Welt ist so unermesslich groß, sie ist gleichzeitig sehr nahe und sehr weit entfernt und außerdem eine digitale Welt“, und er fügte hinzu: „Die Sperre des vollständigen Zugriffs auf eine Website, wenn man auch die Möglichkeit hätte, nur diese umstrittenen Videos zu sperren, ist in diesem Informationszeitalter gleichbedeutend mit der Sperre einer Schule wegen eines ungezogenen Schülers oder dem Verbot der Zivilluftfahrt aufgrund eines Flugzeugunglücks.“

Die Türkei ist nicht das einzige Land, in dem YouTube gesperrt wurde. Im Jahr 2007 hat die thailändische Regierung die Seite für fast vier Monate gesperrt, weil einige Clips anscheinend Thailands Herrscher König Bhumibol Adulyadej beleidigt hatten, und in Marokko konnte auf die Seite nicht zugegriffen werden, nachdem einige User Videos gepostet hatten, die Marokkos Behandlung von Völkern in der Westsahara kritisierten. Die Regierung hat nicht zugegeben, die Seite gesperrt zu haben und hat stattdessen einen technischen Defekt ins Feld geführt, war allerdings nicht in der Lage zu erklären, warum dieser Defekt nur die YouTube-Seite betroffen hat.

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