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Technikfolgenabschätzung Ubiquitäres Computing und Informationelle Selbstbestimmung
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Mi, 28/11/2007 - 13:08
Quelle:Bundesministerium für Bildung und Forschung der Bundesrepublik Deutschland, Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein; Institut für Wirtschaftsinformatik der Humboldt-Universität zu Berlin, Kiel; Berlin, p.347 (2006)URL:http://www.taucis.hu-berlin.de/_download/TAUCIS_Studie.pdfAbstract:Zukünftige Einsatzmöglichkeiten der RFIDi-TechnologieElectronic Product Code (EPC) Der EPC ist der Nachfolger des internationalen EAN-Barcodes. Er wird vor allem im Logistikbereich eingesetzt und ermöglicht eine eindeutige numerische Kennzeichnung von Objekten (zB. Produktverpackungen), wodurch sie jederzeit elektronisch identifizierbar werden. Dies soll unter anderem helfen Fehlversendungen zu verhindern und Diebstähle festzustellen und einem Umfeld zuzuordnen. Durch RFIDi-Tags, die auf Produkten wie Kleidung etc. angebracht sind, wird ein weltweiter Informationsaustausch über diese Gegenstände und ihre Besitzer möglich. Im Grunde hätte jeder, der im Besitz eines geeigneten Readers ist oder Zugriff auf Hintergrundnetzwerke hat, Zugang auf die Tag-Daten und könnte ein Produkt somit nach Belieben auf der ganzen Welt verfolgen. Dies wiederum ermöglicht und vereinfacht die Profilerstellung von Personen und stellt eine große Herausforderung für den Datenschutz dar. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Auslesung der Objektkennung ohne das Wissen der Person stattfinden kann, die einen Tag eventuell unbemerkt mit sich führt. Da die Kommunikation zwischen Tag und Reader kontaktlos stattfindet, würde lediglich die Anwesenheit von Lesegeräten darauf schließen lassen. Personenerkennung und Dokumentensicherheit Dank der RFIDi-Technologie sollen Personen nun nicht nur durch biometrische Merkmale wie Fingerabdruck, Irisscan etc. identifiziert werden, sondern durch Tags, die sie mit sich führen. Dieses System ist einerseits bequem, da der Person keine Handlungen abverlangt werden, andererseits jedoch können Menschen ohne ihr Wissen und ihr Einverständnis geortet und identifiziert werden. Die Einbettung von RFIDi-Tags in Reisepässe und Personalausweise wurde bereits zum Teil realisiert. In Deutschland werden seit einiger Zeit Pässe vergeben, die RFIDi-Tags mit personenbezogenen Daten sowie ein Lichtbild des Inhabers enthalten. Künftig sollen diese auch Auskunft über biometrische Daten, wie Fingerabdrücke, geben. Der Hauptzweck ist die einfachere und raschere Identifikation von Personen an Grenzübergängen, sowie eine Erhöhung der Fälschungssicherheit. Sollte dieses System wie geplant auch für Personalausweise übernommen werden, werden Individuen nicht nur bei der Ein- und Ausreise, sondern bei jeder Personenkontrolle eindeutig identifizierbar. Die Hauptgefahr besteht hier darin, dass durch solche Überprüfungen Bewegungsprofile von Personen entstehen, wodurch sie und ihr Aufenthaltsort jederzeit international lokalisier- und überwachbar werden. Ein ähnliches Einsatzgebiet finden wir in Banknoten. Auch in diesem Fall soll eine erhöhte Fälschungssicherheit gewährleistet werden. Die Frage ist allerdings, wie fälschungssicher RFIDi-Tags tatsächlich sind und welchen Eingriff dies in den bisher anonymen Zahlungsverkehr darstellt. Fahrzeugkontrollsysteme Sensoren in Fahrzeugen sollen Fahrzeugparameter wie Luftdruck der Reifen, Abstand zur Umgebung etc. messen. Das Kontrollsystem löst dann je nach Messwert bestimmte Reaktionen aus, um das Fahrzeug auf seine Umgebung einzustellen oder sein Verhalten zu optimieren. Zudem kann das Fahrzeug, durch Speicherung von individuellen Präferenzen, automatisch den Wünschen des Fahrers bezüglich Spiegelausrichtung, Sitzhöhe und Ähnlichem angepasst werden. Auch Sicherheitseinstellungen wie eine maximale Fahrgeschwindigkeit sind möglich. Getestet werden zur Zeit Autoschlüssel mit eingebauten Atemgeräten, die dem Lenker je nach gemessenem Alkoholwert ein Fahren verweigern können. Man darf jedoch nicht außer Acht lassen, dass Fehlfunktionen wie eine Fehlinterpretation der Umgebung oder andere technische Mängel, z.B. in Verkehrsleitsystemen, unermesslichen Schaden anrichten können. „Smart Home“ - Das intelligente Haus In einigen Pilotprojekten werden bereits unterschiedliche Alltagsgegenstände miteinander vernetzt und koordiniert. Sobald ein Individuum von den Sensoren erfasst wird, werden die Funktionen der Objekte ausgelöst und die Umgebung passt sich den Präferenzwerten der Person an (z.B. Beleuchtungs- und Heizungseinstellungen). So kann beispielsweise das Klingeln des Weckers eine automatische Aktivierung der Kaffeemaschine auslösen oder das Läuten eines Mobiltelefons die Lautstärke von Musikanlagen regulieren. Medizinische Anwendung Ein Einsatzgebiet in der Medizin wäre das Ausstatten von Medikamentenverpackungen mit RFIDi-Tags, die Auskunft über die Haltbarkeit und die Kontraindikation der vorliegenden Medikamente geben. Im Grunde also Informationen, die auf jedem Beipackzettel zu finden sind. Es wird auch überlegt Patienten subkutan Tags zu implantieren, um sie einerseits jederzeit orten zu können und andererseits Verwechslungen von Patienten miteinander zu verhindern. In Verbindung mit den „RFID-Medikamenten“ könnte man zusätzlich die Medikamentenausgabe automatisieren. Ein weiteres Ziel ist es nicht mehr auf mehrere Geräte angewiesen zu sein, sondern ein Gerät zu schaffen, dass nach Erhalt von Informationen wie Alter, Gewicht etc. alle Vitalfunktionen überprüft, Medikamente verabreicht und gegebenenfalls eine Reanimation und weitere Maßnahmen einleitet. Kritisiert wird an diesem Einsatzgebiet vorwiegend die Nutzung sensibler (Gesundheits-)Daten gemäß dem Bundesdatenschutzgesetz, die auch besonderen Berufs- oder Amtsgeheimnissen unterliegen. Zusätzlich finden nun vermehrt Untersuchungen statt, die klären sollen ob ausgesandte elektromagnetische Wellen eine negative Wirkung auf Pharmazeutika haben. Warenwirtschaft Durch automatisierte Umsatzlisten sollen Bestellungen beinahe in Echtzeit an Lieferanten weitergegeben werden. Dies würde zu einer Reduzierung von Lagerbeständen führen und (wöchentliche) Sammelbestellungen ersetzen. In Kombination mit entsprechenden Sensoren, können in der Logistik qualitätsrelevante Transportparameter (Temperatur, Feuchtigkeit etc.) dokumentiert werden. Dies erleichtert eine Überprüfung der Einhaltung der Kühlkette und anderer Qualitätsmerkmale, um Gegenmaßnahmen einzuleiten oder die Verantwortlichkeit leichter zuzuordnen. Im privaten Umfeld sollen die Verbraucherinformationen direkt vom Endkunden bezogen werden. Hier wird beispielsweise über Drucker nachgedacht, die ihren Toner- und Papierbestand an zuständige Unternehmen weiterleiten, damit gegebenenfalls eine Nachlieferung veranlasst wird. Konsum Aufzeichnungen über das Kaufverhalten von einzelnen Kunden bilden die Grundlage für die Erstellung von Nutzerprofilen. Mit ihrer Hilfe lassen sich individuelle Angebote auf den Kunden oder auf Kundengruppen zuschneiden, aber auch Einkaufsverhalten, bevorzugte Zahlungsart und Budget analysieren. Zu diesem Zweck können mit RFIDi versehene Kundenkarten verteilt werden. Im Gegenzug verliert der Kunde bei jedem Kauf ein Stück seiner Anonymität. Tierhaltung Die Markierung von Tieren durch Transponder in Halsbändern, Ohrknöpfen oder subkutanen Injektionen ist bereits weitestgehend im Einsatz. Was bei Zuchttieren eher der Qualitäts- und Seuchenkontrolle dient, hilft Privatpersonen vor allem bei der Ortung und Wiederfindung entlaufener Haustiere. Dies ist allerdings nur mit einem vollständigen Tierregister realisierbar. Ticketing Dieses System findet vorwiegend bei Großveranstaltungen Einsatz; so auch bei der vergangenen Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Hier werden personenbezogene Daten (inkl. Anschrift) auf den RFIDi-Tags der Tickets gespeichert und mit Personalausweisen verglichen, um den Besitzer des Tickets eindeutig identifizieren und unerwünschte Personen von diesen Veranstaltungen ausschließen zu können. Auch in diesem Fall gibt der Käufer seine Anonymität auf. An ausgewählten Stellen angebrachte Lesegeräte ermöglichen es zusätzlich Bewegungsprofile von einzelnen Besuchern nachzuvollziehen. Arbeitswelt In diesem Bereich können durch Tags in Firmenausweisen unter anderem Zutrittsgenehmigungen erteilt und verweigert, bargeldlose Zahlungen in der Kantine ermöglicht oder Aufenthaltsorte von Arbeitern festgestellt werden. Im Klartext werden hier also Informationen darüber, wer, wann, wo, wie lange und woran gearbeitet hat oder auch über die Ernährung des Angestellten gesammelt. Daraus resultiert eine Überwachung der individuellen Arbeitsleistung von Mitarbeitern und ihre qualitative und quantitative Auswertung. Kritik seitens des Datenschutzes An all diesen Einsatzgebieten wird eines kritisiert: der mangelnde Schutz und der erhebliche Eingriff in die Privatsphäre von Menschen. Sei es als Privatperson oder als Arbeitnehmer. Es können personenbezogene und private Daten über eine Person gesammelt werden, ohne dass diese etwas davon bemerkt oder gar ihr Einverständnis dazu gibt. Da die Nutzer keinen Zugang zu der Verarbeitung und Auswertung der Daten haben, bleibt auch der Datenfluss für sie unsichtbar. Hier stellen sich unter anderem folgende Fragen: Wie und in welchem Zusammenhang werden meine Daten verarbeitet und wer übernimmt diese Aufgabe. Wann werden meine Daten gelöscht und habe ich Zugang zu diesen um eventuell Änderungen vorzunehmen? Wer garantiert die Verwendung meiner Daten ausschließlich für den vorgesehenen Zweck? Die Bedenken von RFIDi-Kritikern sind diesbezüglich insofern berechtigt, als dass durch diese Technologien mehr Daten über Objekte und ihre Besitzer gesammelt werden können, als dies jemals zuvor der Fall war. Ein weiteres Problem stellen Sicherheitsmängel dar. Da die Sicherheitsmaßnahmen noch nicht so ausgereift sind wie manch eine Zukunftsvision, können beispielsweise über Funk übertragene Daten ohne weiteres abgehört und somit auch eventuell übertragene Passwörter oder Daten in Erfahrung gebracht werden. Im schlimmsten Fall trägt der Nutzer datenschutzrechtlichen oder gar physischen Schaden davon. Zudem kann eine futuristische allgegenwärtige Rechnerumgebung über kurz oder lang zu einer Art Abhängigkeitsreaktion führen, wodurch Nutzer die Kontrolle über ihre Umwelt und ihre Besitzgegenstände zu verlieren drohen. Bei einem Systemausfall kann zusätzlich die Reaktions- und Handlungsfähigkeit beeinträchtigt werden. Weitere Bedenken befassen sich mit der Frage, ob Objekte ihren Besitzern „Vorschriften“ machen und gegebenenfalls ihr Fehlverhalten sanktionieren dürfen, wie es beim „Alcokey“ der Fall ist, der bei Überschreitung einer Alkoholgrenze ein Fahrverbot erteilt. Hierbei führt das Handeln intelligenter Objekte zu einem physischen Kontrollverlust der Menschen. Inwieweit behält der Mensch also die Kontrolle über seinen Besitz und hat somit das „letzte Wort“? (Zusammenfassung von unwatched.org) |
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