Deutscher Datenschutzkommissar spricht sich gegen Googles Doubleclick Geschäft aus.

1
So, 14/10/2007 - 19:13

Thilo Weichert, der Datenschutzkommissar von Schleswig-Holstein, hat sich in einem Brief an die EU Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes öffentlich gegen Googles Ankauf von DoubleClick ausgesprochen.

Weichert ließ ausrichten: „Derzeit müssen wir annehmen, dass im Falle einer Übernahme von DoubleClick die Datenbanken dieser Firma in Googles Datenbanken integriert werden, was dazu führen wird, dass grundlegende Vorgaben der Europäischen Datenschutzrichtlinie übertreten werden.“

Der Kommissar äußert Bedenken, dass Userprofile und detailierte Analysen persönlicher Daten nach der Fusion sehr viel leichter durchführbar sein werden. „Ein solcher Zugang widerspricht grundlegenden Datenschutzprinzipien der Europäischen Union: eingeschränkter spezifischer Verwendung, Transparenz, dem Einspruchsrecht, dem Schutz sensibler Daten und dem Recht darauf, diese Daten löschen zu lassen.“ Er sagte auch, dass die Firmen vor der Fusion eine sogenannte „Verhaltensauswahl“ (behavioural targeting) durchführen konnten und daher nicht ihre Verpflichtungen unter Europäischem Recht im Bezug auf Datenschutz nachkommen was sensible Daten oder das Löschen von Daten, die nicht länger benötigt werden, angeht.

Er schloss mit der Aussage, dass „die Fusion der zwei Internetfirmen daher zu einer schweren Verletzung der Datenschutzrechte [in der Europäischen Union] führen wird“ und forderte in diesem Fall eine direkte Intervention.

Weicherts offener Brief erscheint zu einem Zeitpunkt, da die Europäische Kommission bereits Fragebögen über die Sache an Googles Kunden verschickt hat, noch bevor Google den Einkauf tatsächlich bei der obersten Kartellbehörde angemeldet hat. Auch das Europäische Büro der Verbraucherorganisationen (BEUCi) hat bei der EU um Hilfe bei der Überprüfung der Datenschutzaspekte dieses Deals angesucht.

Währenddessen verteidigt Google seinen Deal vor dem US Senat, wo eine Untersuchung bezüglich der Schaffung eines möglichen online-Werbemonopols eingeleitet wurde. Googles oberster Rechtsvertreter David Drummond sagte dazu: „Googles Übernahme von DoubleClick wird dabei helfen, diese Ziele zu erreichen, während gleichzeitig der Datenschutz der Verbraucher respektiert wird und breitere Innovationen, besserer Wettbewerb und besseres Wachstum gefördert werden.“ Brad Smith, der Leiter der Rechtsabteilung bei Microsoft, teilte den Senatoren mit, dass das Geschäft „Google die Kontrolle über 80% des Markts bei sowohl Text- als auch Bannerwerbung im Internet verschaffen wird.“

Google hat in einer schriftlichen Eingabe außerdem die Pläne für einen verbesserten Schutz des Datenschutzes bei Verbrauchern dargelegt, die die Folge von Beratungen mit Verbrauchern sowie Industriegruppen sind. Einer dieser Vorschläge würde die Verwendung eines „crumbled cookie“ vorsehen, der eine Methode darstellen würde „persönliche Daten separat zu speichern, ohne dass sie auf bestimmte Personen oder Computer zurückgeführt werden können.“

Data protection advocates protest against Google's DoubleClick deal (28.09.2007)

Google defends DoubleClick bid (28.09.2007)

Google proposes 'crumbled cookies' in privacy pledge (1.10.2007)

unwatched: EU erfragt die Meinung der Kunden in der Kausa DoubleClick – Google (12.09.2007)

Trackback URL für diesen Eintrag:

http://www.unwatched.org/trackback/663