Reaktionen auf das ISO Wahlverfahren.
Die Abstimmung über den Entwurf zur OOXML Norm, die vor Kurzem stattgefunden hat, hat eine Menge von Problemen mit den ISO Verfahren ans Licht gebracht, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene.
Die nationalen Verfahren wurden oft beschuldigt, von Microsoft beeinflusst zu werden, besonders in der Schweiz, in Schweden, Deutschland, Portugal, den Niederlanden und den USA.
Proteste gegen Microsoft wegen der Ausübung von ungebührlichem Einfluss auf die Ergebnisse der Abstimmung kamen aus Polen und der Schweiz, letztere hatte für OpenXML gestimmt, obwohl das EDRI Mitglied SIUG (Swiss Internet User Group) eine Reihe von Unregelmäßigkeiten im Wahlverfahren herausgestrichen hatte und dass sich eine große Gruppe von Partnerfirmen von Microsoft kurz vor der Debatte dem Normierungkomitee angeschlossen hat.
Ein Versuch, die schwedische Stimme zu beeinflussen wurde von der open-source Community aufgedeckt, als aus einem Memo durchsickerte, dass Microsoft seine Partner beauftragt hatte, die Stimme zu beeinflussen, jedoch auch angeboten hatte, sie dafür zu bezahlen. Das Memo von Microsoft bot den Partnern „Unterstützung im Marketing“ und „zusätzliche Unterstützung in Form von Microsoft Resourcen“ an, wenn sie sich dafür der nationale schwedische Körperschaft anschlössen.
Tom Robertson, der Generaldirektor für Interoperabilität und Standards bei Microsoft akzeptierte die Tatsache, dass das Unternehmen in der Bewerbung des Standards sehr aktiv war: „Regierungsbehörden und nationale Normierungsbehörden haben ihr Recht ausgeübt, an diesem Prozess teilzunehmen, wie auch eine Reihe an Firmen einschließlich jener, die für oder gegen Open XML waren. Daher hat Microsoft seine Partner offen ermutigt, bei Interesse teilzunehmen. (...) Unglücklicherweise haben wir erfahren, dass ein Microsoftmitarbeiter in Schweden mit zwei Partnerunternehmen in einer Art und Weise über deren Teilnahme in der Abstimmung über Open XML gesprochen hat, die mit den Richtlinien und der Führung des Unternehmens nicht vereinbar ist.“
Schlussendlich nahm das Schwedische Normierungsinstitut seine Entscheidung zugunsten des OOXML als ISO Norm zurück, nachdem man benachrichtigt worden war, dass ein Mitglied mehr als eine stimme abgegeben hatte.
Eine interessante Studie des EDRI-Mitglieds Electronic Frontier Finland hat sich diesen Probleme gewidmet, einschließlich des plötzlichen Interesses von Ländern wie Trinidad, Kolumbien, der Elfenbeinküste, Zypern, Libanon und Malta an der OOXML-Angelegenheit, das verdächtigt wirkt. „Wir haben den Zusammenhang zwischen dem Level an Korruption und dem Wahlverhalten der Länder untersucht. Wir haben herausgefunden, dass je korrupter ein Land ist, umso wahrscheinlicher wurde es, dass es für die uneingeschränkte Annahme der OOXML Norm stimmen würde. Als Maßstab für die Korruption haben wir den Transparency International's 2006 Corruption Perceptions Index verwendet.“
Einzelpersonen wie der Blogger Andy Updegrove haben den Abstimmungsablauf kritisiert und sich beschwert, die „Unregelmäßigkeiten, die aus einigen Ländern berichtet wurden, werfen einen Schatten über die Glaubwürdigkeit des ISO Prozesses. Für die Normorganisiationen ist es daher ganz besonders wichtig, die Glaubwürdigkeit und Integrität des Endergebnisses zu demonstrieren, sonst ist das ganz System gefährdet.“
Ein Offener Brief von Geir Isene, CEO FreeCode International, an ISo streicht viele der Probleme heraus, die beim Ablauf aufgetaucht sind: „Die Tatsache, dass ISO keine Norm für nationale Körperschaften durchsetzt, öffnet den Normierungsprozess der Manipulation oder Korruption. (...) Ich fordere ISO dringend dazu auf, strenge Richtlinien für seine Mitglieder aufzustellen, in denen die Regeln dafür festgehalten werden, wie eine nationale Körperschaft seine Stimme in der Abstimmung festlegen darf, und dass diese Richtlinien strikt eingehalten werden.“ Irsene schlägt außerdem vor, dass „ISO im IT Feld sehr von der Anwendung der IETF Voraussetzung profitieren würde, die zwei unabhängige Referenzanwendungen für die Durchsetzung einer Norm voraussetzt. Dadurch könnte die Qualität der IT Normen bei ISO gesteigert werden.“
Durch das Ergebnis der hinter verschlossenen Türen abgehaltenen ISO Wahl müssen nun Maßnahmen ergriffen werden. Norbert Bollow hat OpenISO.org eingerichtet, eine wirklich offene internationale Normorganisation, die alle Dokumente im Internet für jedermann zugänglich macht; Entscheidungen zwischen widersprüchlichen Meinungen oder Interessen sollten immer in einer fakten-orientierten Art und Weise getroffen werden, die auf "sound engineering" und dem Prinzip der Offenheit beruhen.
Microsoft accused of rigging OOXML votes (30.08.2007)
SIUG Resources related to MS-OOXML
Swedish Standards Institute declares Open XML vote void (31.08.2007)
Corrupt countries were more likely to support the OOXML document format (5.09.2007)
Forecast: ISO Will Announce on Tuesday that OOXML Approval has Failed (3.09.2007)
An Open Letter to ISO (07.09.2007)


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