Medien- und Telekommunikationsunternehmen lehnen das Angebot von CISAC ab

1
Fr, 20/07/2007 - 16:00

Am 10. Juli 2007 erhielt die EuropĂ€ische Kommission einen Brief einer grĂ¶ĂŸeren Gruppe, einschließlich einiger der grĂ¶ĂŸten Mediengruppen und Telekommunikationsunternehmen Europas, in dem sie zur Ablehnung eines Angebotes europĂ€isch nationaler Rechtverwertungsgesellschaften zur Beilegung eines Misstrauens-Falles, drĂ€ngten.

Als Folge einer Beschwerde aus dem Jahre 2003 durch die digitale Musikdistributionsplattform Music Choice Europe begann die Kommission einen Mustervertrag fĂŒr öffentliche AuffĂŒhrungsrechte zwischen den Mitgliedern der Verwertungsgesellschaften von CISAC (der Dachverband der Verwertungsgesellschaften) zu untersuchen.

Die Beschwerde betraf die Tatsache, dass die Autoren verpflichtet waren, ihre Rechte nur ihrer eigenen nationalen Verwertungsgesellschaft zu ĂŒbertragen und dass die User eine Lizenz nur von ihrer heimischen Verwertungsgesellschaft und begrenzt auf ihr heimisches Gebiet beziehen konnten.

Die Kommission war der Ansicht, dass „die Mitgliedschaft und territorialen Begrenzungen die vollkommen exklusive Position der Verwertungsgesellschaften auf ihrem heimischen Markt vervielfachen und garantieren.“

Im Februar 2006 ließ die Kommission CISAC eine EinwandserklĂ€rung zukommen, in dem sie sich Music Choice Europes Beschwerde anschlossen.

Im MĂ€rz 2007 schlug CISAC eine Reihe an VerpflichtungsentwĂŒrfen bezĂŒglich Mitgliedschaft, TerritorialitĂ€t und ExklusivitĂ€t vor. Seine Mitglieder stimmten zu die ExklusivitĂ€tsbedingungen aus ihren VertrĂ€gen zu streichen und den Urheberrechtsinhabern das frei Bewegen zwischen verschiedenen Verwertungsgesellschaften zuzugestehen, um grenzenĂŒberschreitende Lizenzen fĂŒr Musik im Internet, ĂŒber Satellit und Kabel zu gewĂ€hren. Die Lizenzen sind jedoch Gegenstand eines komplexen Systems an Bedingungen und Begrenzungen, die laut CISAC nötig sind um „sicher zu stellen, dass Autoren und ihre Werke nicht unter den Auswirkungen einer potentiell nachteiligen Verschlechterung der LizenzsĂ€tze leiden“.

Der Brief an KommissionsprĂ€sident JosĂ© Manuel Barroso und Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes, unterzeichnet von Unternehmen wie France Telecom, Liberty Global, SBS Broadcasting, Orange, RTL, ProsiebenSat1, Telenet, ORF, Cable Europe, Deutsche Telekom und dem Deutschen Verband Privater Kabelnetzbetreiber besagt, dass CISACs Vorschlag „substantielle Probleme im Bezug auf die Anwendung des Wettbewerbsgesetzes und interner Marktregeln, kulturelle Vielfalt, und die Beziehung zwischen kleineren und grĂ¶ĂŸeren ReprĂ€sentanten von Rechtsinhabern aufwirft“.

Der Brief schildert, dass die VorschlĂ€ge „statt die Konsumentennachteile, wie sie von der EuropĂ€ischen Kommission genannt wurden, zu beseitigen, das derzeitige Lizenzsystem fĂŒr globale Musikrepertoires als einzelne Einheit untergraben und zu einem kostspieligen, ineffizienten und fragmentierten Lizenzsystem fĂŒr Musikrechte fĂŒhren“ und weiters, dass sie „... den Untergang vieler kleiner Gesellschaften fĂŒr Autorenrechte herbeifĂŒhren.“

„Solch eine Fragmentierung hĂ€tte ein regionales und nationales linguistisches Repertoire zur Folge, das entweder nicht gespielt oder nicht bezahlt wird. Die kulturelle Vielfalt wĂŒrde sofort und unmittelbar darunter leiden“, sagte der Brief und schlug der der Kommission vor, dass „die Verwertungsgesellschaften ihre VorschlĂ€ge umĂ€ndern, um ein wirtschaftlich bedeutungsvolles Lizenzsystem zu fördern, und garantieren, dass Lösungen in dieser Wettbewerbsklage nicht durch Entfernung von Repertoire untergraben werden, wĂ€hrend sie noch gĂŒltig sind.“

Der Brief endet mit der Aussage, dass - falls CISAC keine Lösung vorschlĂ€gt - die Kommission „sich auf ein Urteil festlegen sollte, in dem sie eine Verletzung der EC Wettbewerbsregeln findet.“

Eine endgĂŒltige Entscheidung der Kommission wird bis Ende des Sommers erwartet. GemĂ€ĂŸ den EU-Regeln darf der Entscheid das Beilegungsangebot ablehnen und eine Geldstrafe fĂŒr restriktive GeschĂ€ftspraktiken verhĂ€ngen. Diese kann bis zu 10 Prozent der jĂ€hrlichen Einnahmen ausmachen.


Media companies urge Commission to turn down copyright proposal
(englisch, 12.07.2007)


Business urges Brussels to protect cultural diversity
(englisch, 11.07.2007)


unwatched: EuropÀische Kommission stellt Misstrauensantrag gegen CISAC
(15.02.2006)

Trackback URL fĂŒr diesen Eintrag:

http://www.unwatched.org/trackback/578