Regierungsgespräche in Griechenland illegal abgehört

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Mi, 15/02/2006 - 06:00

Mehr als 100 Telefonnummern von griechischen Regierungsbeamten wurden, während und nach den Olympischen Spielen 2004, 11 Monate lang illegal abgehört. Dies wurde am 2. Februar 2006 von drei Ministern während der täglichen Pressekonferenz der griechischen Regierung bestätigt.

Die gesetzeswidrigen Abhörgeräte wurden im März 2005 während einer Routineuntersuchung von Vodafone, einem der Hauptmobilnetzanbieter Griechenlands, entdeckt. Unter Überwachung standen unter anderem der Premierminister, mehrere Minister, die Polizei, das Heer, Geheimdienstleiter und –zentralen, ebenso wie politische Aktivisten des linken Flügels, Journalisten und Rechtsanwälte. Das System wurde vom Mobilfunkbetreiber zu rasch deaktiviert, um die Täter zurückverfolgen zu können; dennoch wurde ihr ungefährer Standort von einigen Personen in den Medien als in verdächtiger Nähe zur amerikanischen Botschaft in Athen angegeben.

Die Vorkommnisse erreichten weltweite Aufmerksamkeit, dennoch konnten die meisten Nachrichtenagenturen die technologiepolitischen Implikationen dieses Skandals nicht genügend hervorheben. Die illegale Abhöraktion nutzte die „gesetzlichen Überwachung-Subsysteme“, die in den meisten Telekommunikationsausrüstungen vorhanden sind und üblicherweise von Sicherheitsdiensten und der Exekutive genutzt werden, um sich Liveaufzeichnungen aller Anrufe anzuhören. Die Täter schafften es, die Autorisationsmechanismen mit technischen Mitteln oder, was wahrscheinlicher ist, mit Hilfe eines Insiders zu überbrücken, installierten dann die Software auf den Steuercomputern von Vodafone, die die angezeigten Anrufe an eine Gruppe von „Schatten“-Prepaid Mobiltelefonen umleitete, womit die Gespräche mitgehört und aufgezeichnet werden konnten. Datenverkehr, inklusive der Position der Hörer unter Überwachung, könnten auch gesammelt worden sein.

Diese Überwachungsschnittstellen kamen erstmals 2001 ans Licht, als sie durch das European Telecommunications Standard Institute (ETSI) standardisiert wurden. Viele Spezialisten prophezeiten, dass eine „zugeschnittene Überwachung“ zu systemischen Schwachstellen der Kommunikationsinfrastruktur führen werde, und diese würden mit der Zeit unvermeidlich mißbraucht werden. Der griechische Fall bestätigt diese düsteren Vorhersagen, dennoch wurde kein Wort darüber verloren, diese Tendenz aufzuhalten.

Die Angelegenheit wird nun von der griechischen Justiz untersucht, aber Umfragen decken auf, dass viele Menschen pessimistisch sind, was das Aufspüren der Täter betrifft, und misstrauisch gegenüber der allgemeinen Behandlung von Privatsphäre bei Mobiltelefonen. Die Regierung ziert sich, Vodafone wegen des Sicherheitsbruchs zu tadeln. Wenn der Betreiber nicht Alarm geschlagen hätte, würde niemand jemals über die illegale Abhöraktion gewusst haben, gab der Innenminister zu.

Die unabhängige Instanz, deren Aufgabe es ist, den Schutz der Privatsphäre in der Kommunikation zu erhalten, erfuhr von dem Fall zur gleichen Zeit wie die Journalisten - beinahe ein Jahr nach der Entdeckung und der Unterbindung der Überwachungstätigkeit. Bis bestand die Reaktion der Regierung darin, sich um eine Verstärkung der gesetzlichen Vorkehrungen zum Schutz der Bevölkerung vor illegalen Abhörungen zu bemühen, jedoch ohne eine der technischen Sicherungsöglichkeiten in der Telekommunikation zu berücksichtigen. Ein griechischer Journalist erwähnte während einer Pressekonferenz, dass die derzeitigen, bereits modernen und durchdachten gesetzlichen Vorkehrungen in jeder Hinsicht versagt zu haben scheinen.


Some translations of the Greek ministers' press conferences with a focus
on technical details



Some technical manuals of the Interception Management Systems and AXEs
from Ericsson (similar to the equipment used by Vodafone)


Greek Government Press Briefing (Greek only, 2.02.2006)


Wiretaps of phones and ministers (Greek only, 2.02.2006)


Athens Olympics phone tapping revealed (3.02.2006)


The ETSI Interception Dossiers (27.03.2001)


ETSI Lawful Interception Summary


The masts betrayed the bugs (Greek only, 13.02.2006)


Press Release - Authority for the assurance of the confidentiality of
communications (ADAE) (Greek only, 6.02.2006)

(Contribution by Dr George Danezis from Katholieke Universiteit Leuven)

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