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Startseite » EDRi-gram Nr. 5.9, 9. Mai 2007

Versagen des schottischen e-Zählsystems

Verfasst von sac am 9. Mai 2007 - 15:01

(Artikel korrigiert am 10. Mai 2007)

Das elektronische Zählsystem, das bei den schottischen Parlamentswahlen am 3. Mai 2007 angewandt wurde, kämpfte mit Schwierigkeiten, wovor Experten bereits gewarnt hatten, und das Schottische Ministerium kündigte eine dringende Untersuchung der „schwerwiegenden technischen Fehler“ an, die die Bekanntgabe der Ergebnisse in mehreren Bezirken verzögert haben.

Mehrere Zählungen wurden aufgeschoben und rund 140 000 Stimmen (ca. 7% der Gesamtstimmabgaben) waren, vermutlich aufgrund der Wahlzettelgestaltung, nicht gültig. Auch Probleme der Tabellierungssoftware traten im e-Zählsystem auf, das in Schottland zum ersten Mal eingesetzt wurde.

Die unabhängige Wahlkommission, seitens des Parlaments eingesetzt um Wahlen zu überwachen, hat kurz zuvor davon abgeraten Wahlen mit zwei verschiedenen Wahlsystemen am selben Tag zu veranstalten. Dennoch haben die schottische Exekutive und das schottische Parlament beschlossen die schottischen Parlaments- und Kommunalwahlen am 3. Mai gleichzeitig abzuhalten, was eventuell zu einer weiteren Wählerverwirrung geführt haben dürfte.

In England steuerten einige Bezirke Frühwahlen in Person bis zu zwei Wochen im voraus, Internetwahlen, Stimmabgabe über Touch-Phone-Telefone oder e-Auszählungen an. Schottland erprobte nur das e-Zählsystem.

Trotz der Versicherungen seitens der Regierung, dass die Systeme im voraus getestet worden waren (obwohl kein Zertifizierungsprozess verwendet wurde), traten Probleme beim automatischen Auszählsystem auf und verursachten einen Aufschub der Auszählungen in mehreren schottischen Bezirken für einige Zeit. Auch in England erlebten die meisten e-Auszählungstester Verzögerungen und auch e-Wähler stießen auf technische Schwierigkeiten.“

DRS Data Services, das die elektronischen Zählmaschinen bereit stellte, erklärte gegenüber der BBC, dass die Verzüge durch ein „kleines Problem“ ausgelöst wurde, welches seine technischen Mitarbeiter zu lösen versuchen. „Das e-Zählsystem erlebte keinen Absturz. Dies ist eine temporäre Unterbrechung in einem kleinen Bereich des Gesamtprozesses“, sagte die Sprecherin des Unternehmens.

Dennoch wurde das System durch die 30 Experten von Nordamerika als Fiasko bezeichnet, die eingeladen wurden um Zeugen des neuen elektronischen Wahlsystems zu werden.

Robert Richie, Geschäftsführer der in den USA ansässigen Organisation Fair Vote, betrachtet es als „absolut unakzeptabel, so viele Stimmen beschädigt zu haben“ und sagt: „Wir waren auch sehr besorgt über den Mangel an einheitlichen Standards bei der Entscheidung, welche Stimmen abgelehnt und welche als gültig erachtet werden.“

Die Wahlkommission wird eine erweiterte gesetzliche Überprüfung der Wahlen durchführen. Der Sprecher des Schottischen Ministeriums merkt an: „Es ist wichtig, dass sie sich die Verzögerungen von postalischen Stimmzetteln, die hohe Anzahl an verworfenen Stimmzetteln und die Leistung der elektronischen Zählmaschinen als besonders dringliche Probleme ansehen.“


E-voting policy review after Scottish ballot chaos (4.05.2007)


Inquiry launched into Scottish voting confusion (4.05.2007)


International experts slam ballot fiasco (6.05.2007)


Security fear over internet voting (2.05.2007)


Vote early, vote often (1.05.2007)

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