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EDRI-gram, Nr. 5.2, 31. Jänner 2007 |
Französische Big Brother Awards 2006
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Mi, 31/01/2007 - 19:39
Die Verleihung der französischen Big Brother Awards fand am 20. Jänner 2007 statt und brachte den Auschluss von Herrn Sarkozy mit sich, der in den letzten drei Jahren bereits drei der Orwell Preise gewonnen und damit seine Konkurrenten weit abgehängt hat. Dieses Jahr entschied sich die Jury, Minister Sarkozy, die einzige Person, die in den 7 Auflagen der Verleihung sechsmal wegen Angriffen auf das Privatleben und die aktive Bewerbung von Überwachung im Allgemeinen nominiert worden ist, vom Wettbewerb auszuschließen. Die Veranstalter ließen sich bei der Gestaltung der Urkunden für die Verleihung durch ein Foto eines Fossils des größten Krokodils, das vor 110 Millionen Jahren gelebt hat inspirieren, das im Jahr 2000 in Niger gefunden worden war und von US Paläontologen "Sarcosuchus imperator" genannt wurde. Die Spezialisten nahmen an, dass das Reptil völlig verschwand, weil es nicht über genügend Intelligenz verfügte, um die Zukunft vorherzusagen und sich dementsprechend anzupassen. Für die Organisatoren der französischen Big Brother Awards waren die Ähnlichkeit mit einer anwesenden Person alles andere als zufällig. Der Gewinner des Staatspreises war Jacques Lebrot, „Sicherheits“-Subpräfekt von Seine-St-Denis, für die Leistung, einigen tausend Menschen mit Vorstrafen, die nur auf Verdacht und Diskriminierung basieren, die Arbeit zu nehmen, was eine Verletzung der Unschuldsvermutung darstellt. Das Unternehmen Sony-BMG ergatterte den Firmenpreis für seinen „Rootkit“, eine Spionagesoftware, die in verkauften CDs installiert wird, um die Verwendung der CD zu überwachen - ironischerweise durch jene Personen, die durch den Kauf der jeweiligen CD zu deren rechtmäßigen Besitzern geworden waren. Der örtliche Orwell Preis ging an Paul Anselin, den Bürgermeister von Ploërmel in Morbihan, weil er über 50 Videoüberwachungskameras in einer 9000 Seelen Gemeinde mit null Prozent Kriminalität installieren ließ, und eine „Grüne Nummer“ einrichtete, um Denunzierungen zu fördern. Der Orwell Novlang Preis wurde an Frédéric Pénshenard vergeben, den Direktor der Justizpolizei, der die genetische Archivierung der gesamten Bevölkerung befürwortet und argumentiert, dass unschuldige Personen somit von jeder Verdächtigung ausgeschlossen seien. Die Auszeichnung für das Gesamtwerk gewann der Justizminister Pascal Clément, der zuvor schon in 2004 nominiert und ausgezeichnet worden war, weil er vehement für elektronischen Armbändern für Straftäter eintrat und diese Praxis nachträglich auch auf Sexualstraftäter nach ihrer Entlassung ausgeweitet hat. Er gewann die Auszeichnung 2006 für sein Gesamtwerk im Hinblick auf seinen Mangel an Respekt für Institutionen und Menschenrechte und seine Passion für Einkerkerungen und Kontrolle. Der Voltaire Preis für Wachsamkeit ging ex aequo an die Schuldirektoren, die sich geweigert hatten, die Kinderdatenbank (Base-eleves) auszufüllen, und an Pierre Muller, den Webmaster von Ordinateurs-de-vote.org (ex recul democratique.org), für seinen unermüdliche Einsatz um aufzuzeigen, dass das elektronische Wahlsystem eine trügerische gute Idee ist und eine Bedrohung der Demokratie darstellt.
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