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EDRI-gram - 4.24, 20. Dezember 2006 |
Gewalttätige Videospiele – ein heißes Eisen im Europäischen Agenda
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Mi, 20/12/2006 - 12:13
Von einem gewalttätigen Videospiel ausgehend, das Kommissar Frattini in Italien gesehen hatte, wird nun ein neues brandaktuelles Thema von den Körperschaften der EU und den Mitgliedsstaaten heftigst diskutiert. Obwohl schon seit einigen Jahren selbstregulierende Maßnahmen etabliert sind, fordert der italienische Kommissar nun eine neue Herangehensweise. Wie EDRIgram berichtet hat, begann die Debatte über gewalttätige Videospiele in Italien, wo der Justizminister Clemente Mastella behauptet hat, dass es ratsam wäre, eine „Behörde“ zu schaffen, die „über akzeptable Standards in den Verkaufsmodalitäten“ bei Videospielen entscheidet, nachdem das Spiel „Rule of Rose“ auf den Markt gekommen war. Die Debatte wurde vom italienischen Kommissar für Justiz, Freiheit und Sicherheit Franco Frattini bis auf die EU Ebene getragen; er schickte einen Brief an alle Innenminister, und forderte sie auf, etwas gegen die „furchtbaren“ Glorifizierungen von Gewalt und die „obszönen ... brutalen und perversen“ Spiele zu unternehmen, die unter Kindern in Europa verbreitet werden. Die erste Antwort darauf folgte sehr schnell von der Beauftragten für die Informationsgesellschaft Viviane Reding , die ihren Kollegen mit harten Worten kritisierte: „Unglücklicherweise wurde ich in keinster Weise konsultiert, bevor der Brief an die Innenminister versandt wurde.“ Sie erinnerte auch daran, dass ein Europäisches Selbstregulationssystem für die Klassifizierung der gewalttätigen Spiele (namens PEGI – Pan European Gaming Information) bereits seit 2003 in Betrieb ist, welches von Frau Reding sehr stark unterstützt wird. Sie betonte, dass das System sehr ähnlich dem ist, das für Filme verwendet wird und die beste Lösung darin besteht, die Inhalte nicht zu zensieren: „Dies entspricht dem Standpunkt der Kommission, dass Maßnahmen, die zum Schutz von Minderjährigen und menschlicher Würde ergriffen werden, sorgfältig mit dem Grundrecht auf Meinungsfreiheit ausbalanciert werden müssen, wie es in der Charter für Grundrechte der EU festgelegt ist.“ Eine weitere Antwort kann vom britischen Innenminister John Reid, der das PEGI-System bei angemessener Durchführung ebenfalls als eine durchaus brauchbare Lösung betrachtet. Er fügte hinzu, dass Händler in Großbritannien für den Verkauf gewalttätiger Videospiele mit Gefängnisstrafen rechnen müssen. Frattini hat seine kritischen Aussagen zum bestehenden System in einer Erklärung im Europäische Parlament wiederholt und einen multidiszilipinären Zugang zu dem Problem gefordert. Er ist der Ansicht, dass drei Punkte besonders betont werden müssen: die Beurteilung von Spielen und Filmen, Medienbildung und technische Lösungen. Frattini kündigte auch an, dass er dem Parlament im Frühjahr 2007 eine neue Erklärung zu Cybercrime vorlegen würde. An einem Punkt angelangt, an dem das gegenwärtige Europäische System genau geprüft wird, steht fest, dass die Einwilligung in ein freiwilliges Beurteilungssystem möglicherweise ein großes Problem darstellt. Daher plant die EU in 2007 eine Konferenz über gewalttätige Videospiele, bei der alle Interessensvertreter miteinander diskutieren und sich schließlich auf die beste Vorgangsweise einigen können. Das Thema wird auch am Programm der Versammlung der EU Justizminister im Jänner 2007 aufscheinen, wo ein erster gesetzlicher Schritt eingeleitet werden könnte.
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