Britische DNA Datenbank wird einer strengen Prüfung unterzogen

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Mi, 08/11/2006 - 11:45

Großbritannien hat heute mit über 3,5 Millionen DNA Proben die größte DNA Datenbank der Welt. Neulich kündigte der Nuffield Council on Bioethics eine öffentliche Beratung zur neuen Gesetzeslage im Bezug auf das Speichern der DNA Proben an.
Die DNA Datenbank wurde ohne große öffentliche Beratung 1996 gegründet; seit 2003 werden bei allen Verhaftungen durch die Polizei DNA Proben entnommen, bei Verbrechen von Mord bis zu Trunkenheit am Steuer. Die DNA Proben werden aufbewahrt auch wenn die Personen niemals offiziell angeklagt wurden. Das Innenministerium gab einen Bericht heraus, der besagt, dass über 139 000 Menschen, darunter 24 000 Kinder, von dieser Situation betroffen sind.
Der Bericht zeigt außerdem, dass 5,24% der britischen Bevölkerung ein Profil in dieser Datenbank besitzen. DNA Proben können auch von Opfern und Zeugen genommen werden, allerdings nur mit deren schriftlicher Einwilligung. Diese Einwilligung kann jedoch nicht zurückgezogen werden.
Der Prozentsatz könnte auf 25% der Bevölkerung ansteigen, wenn Tony Blair seine ursprünglichen Pläne durchsetzt. Bei einem kürzlichen Besuch der Zentrale für Kriminaltechnik, die die Datenbank für das Innenministerium betreibt, erklärte der Prämierminister, dass er für eine Ausweitung der DNA Datenbank eintrete. Entsprechend der neuen Gesetzeslage werden die Proben von Personen, die gewalttätiger und sexueller Verbrechen angeklagt werden, für drei Jahre gespeichert, selbst wenn sie nie verurteilt werden.
Der unabhängige Think-Tank Nuffield Council on Bioethics ruft zu einer öffentlichen Beratung zu der britischen DNA Datenbank auf. Einer der Mitglieder des Think-Tanks ist Sir Alec Jeffreys, der 1980 das DNA Testverfahren erfunden hat. Er ist der Ansicht, dass man sich über das ursprüngliche Ziel des Programms – nämlich das Aufspüren von Wiederholungstätern – hinweggesetzt hat; er verlieh außerdem seiner Sorge Ausdruck, dass die Proben in Zukunft auch für andere Zwecke verwendet werden würden.
Sir Jeffreys sagte, die gesammelten DNA Proben wären mittlerweile „sozioökonomisch und ethisch verzerrt“. „Meine größte Sorge in Großbritannien ist das, was ich als eine Art „Zweckuntergrabung“ bezeichnen würde.“

Der Vorsitzende des Nuffield Council, Sir Bob Hepple, erklärte die Vorsätze der Kampagne: „Wir wollen die Meinung der Öffentlichkeit einholen, ob es für die Verbrechensbekämpfung notwendig ist, DNA Profile von Opfern und Verdächtigen zu speichern, die später nicht verurteilt werden oder die freigesprochen werden.“ Er sagte auch, dass „gewisse Gruppen, wie zum Beispiel junge Männer und ethnische Minderheiten, in der Datenbank überrepräsentiert sind; das Council will sich erkundigen, ob dieses Verzerrungspotential in der Strafverfolgung zulässig ist.“


The forensic use of bioinformation: ethical issues (1.11.2006)

DNA pioneer accuses the police of being overzealous (2.11.2006)

Growing DNA database 'turning Britain into a nation of suspects' (1.11.2006)

Public consulted over DNA fears (1.11.2006)

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