Holländische Gruppe knackt europäische e-Wahlcomputer

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Mi, 11/10/2006 - 11:11

Die Wahlcomputer, die zur Abgabe von 90% der Stimmen in den Niederlanden verwendet werden, wurden von einer holländischen Gruppe namens „Wij vertrouwen stemcomputers niet" (Wir vertrauen Wahlcomputern nicht.) geknackt.
In einer Liveshow am 4. Oktober 2006 bewies die Gruppe auf Kanal Nederland 1 wie das Kontrollprogramm eines solchen Wahlcomputers – genannt Nedap/Groenendaal ES3B – mit 2 EPROMS ausgetauscht werden kann. Die Aktion dauerte keine fünf Minuten.
Der Demonstration folgte ein öffentlicher Bericht vom 6. Oktober, der erklärt wie das Programm funktioniert, wie die Software hergestellt wurde und wie sie die komplette Kontrolle über die Wahlergebnisse übernehmen können. Es ist für Wahlbeobachter oder Wähler beinahe unmöglich eine Veränderung zu bemerken. Überdies zeigt er auch, wie die Gruppe entdeckte, dass Radiowellen von einem unveränderten ES3B aus einigen Metern Entfernung empfangen werden können und verwendet werden können um festzustellen, wer was wählt.
Der Bericht kommt zu einem heiklen Zeitpunkt – nur eineinhalb Monate vor den Bundestagswahlen in den Niederlanden, bei denen die e-Wahlcomputer großflächig zum Einsatz kommen sollen. Der selbe Computer wird mit geringen Abwandlungen auch in Teilen Deutschlands und Frankreichs verwendet.
Der Einsatz des Computers in Irland wird aufgrund erheblicher Zweifel nun auf Eis gelegt. Colm MacCarthaigh von Irish Citizens for Trustworthy E-voting sagte nach einer Inspektion der beeinträchtigten Nedap Geräte: „Der Angriff der holländischen Gruppe würde ohne große Änderungen auch bei den irischen Systemen funktionieren.“
Maurice Wessling von „Wij vertrouwen stemcomputers niet“ betonte: „Um das System zu beeinträchtigen muss man nur ein einziges Stück in der Größe einer Briefmarke austauschen; wenn man das Gerät nur anschaut, kann man es unmöglich entdecken.“

Nach der Reaktion aus Irland forderte auch die deutsche NGO Computer Chaos Club ein Verbot dieses e-Wahlcomputers, mit dem Argument, er entspreche nicht den grundlegenden Normen des deutschen Rechts.
Der holländische Bericht deckt ähnliche Mängel auf wie sie von Edward Felten, dem Vorstand des University's Center for Information Technology Policy in Princeton am touch-screen Wahlcomputer von Diebold Election Systems Inc. entdeckt wurden. Die Mängel waren in einem öffentlichen Bericht im September 2006 dargestellt worden: „Sicherheitsanalyse des Diebold AccuVote-TS Wahlcomputers“.


"We do not trust voting computers" Foundation


Nedap/Groenendaal ES3B - voting computer a security analysis (6.10.2006)


Dutch citizens group cracks Nedap's voting computer (7.10.2006)


E-voting machines successfully hacked (5.10.2006)


Dutch citizens group cracks Nedap's voting computer (6.10.2006)


Computer Chaos Club demands prohibition of voting computers in Germany (5.10.2006)


Security Analysis of the Diebold AccuVote-TS Voting Machine(13.09.2006)

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