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EDRI-gram - Nr. 4.16, 30. August 2006 |
Internet-Voting in Frankreich in Frage gestellt.
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Mi, 30/08/2006 - 16:00
Frankreich hat den Versuch unternommen, ein System für das Internet-Voting einzuführen, das französischen Bürgern, die im Ausland leben, erlaubt hätte während der Präsidentschaftswahlen 2007 zu wählen. An dem System wurde allerdings Kritik geübt, und es hat sich nicht als zuverlässig erwiesen. Alle drei Berichte zweifeln die tatsächliche Kontrolle der Angestellten an: „Computer können dazu programmiert werden, beinahe jedes Phänomen zu simulieren. Ein Computerprogramm kann eine korrekte Wahl und eine fehlerhafte Wahl durchführen. Die assesseurs können nicht wissen, welches Programm auf den Computern installiert ist [...], welche die Wahl durchführen, weil EADS das Programm als sein Firmengeheimnis überwacht und es den assesseurs nicht zeigen wird. Sogar wenn EADS es ihnen zeigte, würden die assesseurs nicht wissen können, ob das ihnen gezeigte Programm dasselbe ist, welches auf den Computern installiert ist.“ SERVE war ein System, das darauf abzielte, US Soldaten im Ausland im Internet wählen zu lassen. Die drei Berichte erinnern, dass das Pentagon SERVE aufgrund eines alarmierenden Expertenberichtes fallen gelassen hatte, ohne es in Betrieb genommen zu haben. Andrew Appel, Professor an der Princeton Universität, gab diesen Kommentar zum Verzicht ab: „Als ein Experte für Computersicherheit und Wahltechnologie glaube ich, dass es eine kluge Entscheidung war.“ Bernard Lang von INRIA, dem französischen Informatikforschungslabor, analysiert in seinem Bericht die Verordnung, nach der diese Wahlen ausrichtet werden. Er erinnert die Wahlhelfer daran, dass sie mehr Verantwortung tragen als ihnen bewusst ist, weil die Fragen, die an sie gestellt werden, entweder unspezifisch oder äußerst technisch sind. Er stellt eine lange Liste mit Fragen und Vorbehalten auf. Wenn zum Beispiel die Verordnung besagt, dass „Die Mitarbeiter des elektronischen Wahllokals erklären, dass die elektronische Wahlurne leer ist.“ schlägt Bernard Lang vor: „Es ist wichtig klarzustellen, dass Sie erklären, dass Ihr Bildschirm anzeigt, dass die elektronische Wahlurne leer ist. Sagen Sie niemals, dass sie tatsächlich leer ist.“ Andrew Appel kommt zu dem Schluss, dass „die französische Bevölkerung und die assesseurs, die sie vertreten, keinesfalls sicher sein können, dass die Wahl fehlerfrei und fälschungsfrei durchgeführt worden ist. Internetwahlen waren nicht in einer Weise durchführbar, die deren Rechtmäßigkeit gewährleistet hätte.“ Deckt die französische Datenschutzbehörde CNIL diese riskanten Experimente entgegen ihren eigenen Empfehlungen? Die CNIL veröffentlichte in 2003 eine Empfehlung – eine Liste von Auflagen, die von einem Internetwahlablauf gewährleistet werden muss. Die CNIL untersucht ebenfalls die meisten Projekte sobald sie installiert werden. Ein Beamter des CNIL erklärte im April 2006: „In allen elektronischen Wahlvorgängen gibt es Dinge, die schief gehen. Es gibt verlorene Stimmen, Stimmen, die unmöglich entzifferbar sind, Stimmen, die überhaupt nicht funktionieren. Es muss gesagt werden, dass es in den letzten Jahren vorgekommen ist.“ Die Organisatoren der Wahlen – das Außenministerium und die Firmen – haben wiederholt betont, dass alles mit den Empfehlungen die CNIL übereinstimmt. Dennoch hatte die CNIL bereits den „lapidaren Charakter“ der zur Verfügung gestellten technischen Dokumente „herausgestrichen“, der es ihnen erlaubt, „nur teilweise zu schätzen, wann die [...] Anforderungen erfüllt wurden.“ Die CNIL hat außerdem das Fehlen eines Expertenberichts „bedauert“. Laut des Entwurfs zu der diese Wahl leitenden Verordnung sollte die CNIL diesen Expertenbericht, der vom Auenministerium in Auftrag gegeben wurde, zu einem späteren Zeitpunkt erhalten.. Diese Auflage verschwand aus der veröffentlichten Version der Verordnung. Wie üblich wurde der Expertenbericht nicht veröffentlicht. Eine Woche vor der Wahl veröffentlichte die CNIL einen Überblick über Internetwahlen weltweit. Er erinnerte, dass die USA, Großbritannien und Spanien ihre Vorhaben fallen gelassen haben. Lediglich drei Länder haben maßgebliche Pläne in diese Richtung: Estland, die Schweiz und Südkorea. Während der Wahl verschwand jeder Hinweis auf diesen Überblick von der Webseite der CNIL. Observations report - François Pellegrini (auf Französisch, 12.06.2006) (Beitrag von Pierre Muller, Gründer von recul-democratique.org) Trackback URL für diesen Eintrag:http://www.unwatched.org/trackback/214
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