Abhörskandal bei Telecom Italia

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Mo, 07/08/2006 - 05:00

Telecom Italia, einer der größten elektronischen Kommunikationsanbieter in Italien, steht im Zentrum eines Riesenskandals rund um das illegale Abhören und Überwachen der Telefonnetzwerke.
Die Journalisten der Wochenzeitung „L’Espresso“ haben erwiesen, dass ein ganzes System namens „Radar“ in der Lage war, vertrauliche Informationen über Millionen von Italienern aufzuzeichnen. Das System wurde durch die betriebseigene Revision aufdeckt, aber auch durch die Mailänder Staatsanwälte, die eine Untersuchung gegen Marco Mancini eingeleitet haben, den stellvertretenden Direktor und Direktor der ersten „ausländischen“ oder Spionageabwehreinheit SISMI (Militärischer Geheim- und Sicherheitsdienst) sowie gegen seine Freunde Giuliano Tavaroli, den früheren Sicherheitschef bei Telecom Italia, und Emanuele Cipriani, den Besitzer der privaten Ermittlungsgesellschaft Polis d’Istinto.
Tavaroli, der die nationale Schlüsselposition innehatte, zu der alle autorisierten Anfragen der Magistrate zu Abhörungsbewilligungen durchgestellt wurden, ist kürzlich zurückgetreten; die Mailänder Staatsanwälte ermitteln gegen ihn in Verbindung mit Verletzungen des Datenschutzes. Auf den Rechnern einer anderen Schlüsselfigur im Skandal, Cipriani, haben die Beamten ein riesiges Archiv von Ordnern über Beamte, politische Personen, Fußballspieler und Schiedsrichter gefunden – all die Hauptbeteiligten des letzten Skandals in Italien. Anscheinend wurden im Laufe der Untersuchungen auch Abhörungen gefunden, die benutzt werden hätte können, um diese zu erpressen.
Telecom Italias eigenen Untersuchungen zufolge, wiesen ihre Verfahrensweisen und ihre Maschinen für die legale Überwachung zahlreiche Mängel auf - es war technisch durchaus möglich, die Telefongespräche abzuhören, ohne irgendeine Spur zu hinterlassen. Außerdem wurden die Abhörungen mit zwei speziellen Softwareprogrammen ausgewertet: Enterprise Miner und Analyst's Notebook.
Eine Untersuchung wurde ebenfalls gegen die italienische Datenschutzkommission (Garante per la protezione dei dati personali) eingeleitet, um zu überprüfen, ob die Auflagen des Schutzes persönlicher Daten eingehalten wurden.
Nachdem Adamo Bove, ein Untersuchungbeamter und führender Experte für elektronische Überwachung, vor kurzem anscheinend Selbstmord begangen hatte, indem er von der Autobahn gesprungen war, verkomplizierte sich die Situation zusätzlich. Bove war von TIM eingestellt worden, um deren Radar Softwaresystem zu leiten und hatte einen Mangel im System festgestellt, der den spurenlosen Einstieg in das Telephonsystem möglich machte. Er meldete den Mangel den Mailänder Behörden, was zu den erwähnten streng geheimen Untersuchungen geführt hatte.

Der Telekom-Abhörskandal hat gezeigt, dass Privatfirmen und Reporter in Verbindung mit SISMI Zugang zu Informationen über italienische Bürger haben, indem sie das System benutzen, das für legale Überwachungen verwendet wird.


The man from the case "Thus they were spying for Telecom" speaks (only in Italian, 2.06.2006)


The suicide thriller, poisons and a too slow investigation (only in Italian, 24.07.2006)


Telecom case - The Data Protection Authority makes a move (only in Italian, 29.05.2006)


Need for Enhanced Security Measures in Processing Telephone Traffic Data - Decision of 1 June 2006 - Italian Data Protection Authority (1.06.2006)


007 Operazione Corriere (only in Italian, 1.06.2006)

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