Mobilkom treibt Handel mit den Bewegungsdaten ihrer Kunden
"Ein Datenstrom – alle Informationen", mit diesem Slogan bewirbt die Mobilkom über ihre Website und Pressemeldungen freimütig den Umstand, dass sie mit den Bewegungsdaten ihrer Kunden schwunghaften Handel treibt. Über Datenschutzfragen macht man sich, wie's scheint, keine Gedanken.
4,7 Millionen SIM-Karten im Netz von Mobilkom Austria stellen einen repräsentativen Querschnitt der Mobilität in Österreich dar. Diese Daten stehen ab sofort in Form des A1 Traffic Data Streams zur Verfügung und bieten wertvolles Analysematerial für Geomarketing, Marktforschung und Planungsvorhaben. Daten aus dem 2G und 3G Netz eines Mobilfunkbetreibers in einem Datenstrom aggregiert und mit GPS Daten einzelner Geräte verfeinert.
So lässt sich einfach und genau verfolgen, wer sich wann wohin bewegt, natürlich auch wie schnell, wie oft, und mit wem. "Wir können exakte Positionsdaten ermitteln", jubelt man bei Mobilkom. Was Wunder, haben doch derartige Daten heutzutage Goldes Wert. An Abnehmern dürfte es nicht mangeln. Schon haben sich Interessenten aus Marketing und Marktforschung eingestellt und reißen dem marktführenden Mobilfunk-Betreiber die Daten aus der Hand – gegen gutes Geld selbstredend.
Die Daten werden freilich in einem einzigen Datenstrom vollständig anonymisiert, beruhigt man. Selbstverständlich! Aber ist es nicht nur eine Frage der Zeit, bis Behörden nach Zugriff auf genaueste Information über die Personen hinter den Bewegungen verlangen? Schließlich geht es bei der umstrittenen Vorratsdatenspeicherung (siehe auch unwatched.org vom 14.12.2009) unter anderem genau darum, den Strafverfolgungsbehörden – ähnlich den Positionsdaten eines Peilsenders – Zugriff auf diese Mobilitätsdaten aller Menschen in Europa zu gewähren.
Und was geschieht, wenn im Zuge von technischen Pannen Einzelinformation in rauen Mengen öffentlich gemacht werden, vergrämte Mitarbeiter Daten ent-anonymisiert weitergeben oder wenn sich übel meinende Zeitgenossen auf Datenklau begeben? Und was bedeutet "anonym" in diesem Zusammenhang überhaupt? Wer sich am Wiener Gürtel gemeinsam mit Hunderten anderen Fahrzeugen in den stauenden Wochenendverkehr einreiht, mag nur schwer persönlich zu identifizieren sein. Unter anderen Bedingungen aber – beispielsweise in abgelegenen Regionen – kann ein bestimmtes Bewegungsprofil auch ohne Angabe von Name und Adresse klar und deutlich einer bestimmten Person zugeordnet werden. Anonymität ist also mehr als das bloße Entfernen von Name und Adresse und kann somit auch bei noch so gutem Willen nicht vollständig garantiert werden.
Von großem Problembewusstsein scheint der Netzbetreiber dennoch nicht geplagt zu sein und Sensibilität in Bezug auf den Schutz personenbezogener Kundendaten ist offenbar auch kein Thema. "Die Fülle an Informationen, die aus den Bewegungsdaten in unserem Netz ableitbar sind, ist ungeheuer wertvoll", heißt es nur von Seiten der Mobilkom Austria. Dafür, die Zustimmung der betroffenen Kunden einzuholen, sieht man keinen Anlass. Und auch von einer Widerspruchs- oder Opt-Out-Möglichkeit bis dato keine Spur, wie diePresse.com berichtet.
Übrigens, nicht nur A1-Kunden, sondern auch Kunden von bob und Red Bull MOBILE dürfen sich ab sofort freuen, Teil des großen "Datenstroms" zu sein. Es liegt an ihnen, diesen Geschäftspraktiken eine Absage zu erteilen.
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Kommentare
#1 anonym!
Die Daten sind anonymisiert und es werden außerdem nur Daten, die für die Verkehrssituation wichtig sind, verwendet... Da ist die "Datenunsicherheit" beim Surfen gigantisch höher!
Die opt-out Sache wäre auch in meinen Augen wünschenswert aber ich denke, dass hier gar keine gesetzliche Notwendigkeit besteht und deshalb gibt es diese Option wohl auch nicht?!?