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Startseite » EDRi-gram Nr. 7.14, 15. Juli 2009

Britische ISPs geben Phorm auf

Verfasst von sac am 19. Juli 2009 - 11:55
  • Großbritannien
  • Lauschangriffe
  • Privatsphäre


Dieser Artikel ist auch verfügbar auf:
English: Phorm given up by UK ISPs

Am 6. Juli 2009, kurz bevor die Ermittlungen zur Privatsphäre im Internet durch Britische MPs und Mitglieder des Unterhauses der All Party Parliamentary Communications Group begannen, gab der größte britische Anbieter British Telecom (BT) bekannt, dass man Phorms Webmonitoring- und Profilingsystem Webwise nicht im Netzwerk integrieren würde.

Dirket nachdem BT diese Bekanntmachung getätigt hatte und verkündet hatte, dass man sich in den kommenden drei Jahren auf Netzwerkupgrades konzentrieren müsse, erklärten zwei weitere ISPs, Virgin Meida und TalkTalk, dass sie das System ebenfalls in absehbarer Zeit nicht einführen würden. Die drei Anbieter hatten im Februar 2008 ein Abkommen mit Phorm unterzeichnet, das System war jedoch heftig sowohl von Verfechtern der Privtsphäre als auch Regulatoren kritisiert worden.

Diese Entscheidung fällt, nachdem die EU die Britische Regierung geklagt hatte, weil man es verabsäumt hatte, die Europäischen Gesetze zur Privatsphäre richtig umzusetzen, und die geheimen Verhandlungen zwischen Phorm und BT aufgeflogen waren.

„Wir glauben weiterhin, dass die Werbekategorie, die sich auf Interessen bezieht, viele Vorteile für die Verbraucher und Verleger bietet. Da wir uns aber der Entwicklung einer neuen Generation von Breitband- und TV-Diensten in Großbritannien verschrieben haben, haben wir beschlossen, das Gleichgewicht von Ressourcen für andere Möglichkeiten abzuwägen. Wenn man diese Verpflichtungen bei den Ressourcen in Betracht zieht, haben wir keinerlei unmittelbare Pläne, Webwise heute einzusetzen. Der Markt für Werbung nach Interessen ist jedoch äußerst dynamisch, und wir planen Phorms Fortschritt mit anderen IPS und mit Webwise Discover (einer neuen Phorm-Linie in der Content Technologie) zu verfolgen, bevor wir unsere Pläne fixieren,“ heißt es in der öffentlichen Stellungnahme von BT.

BTs Entscheidung hat ähnliche Entscheidungen von den beiden anderen großen ISPs nach sich gezogen, die sich alleine mit Phorm nicht hätten durchsetzen können. „Wir glauben weiterhin, dass Werbungen nach Interessen potentiell wichtige Vorteile für Verbraucher, Internetdienstanbieter und Webseiteninhaber bieten. Da der Sektor jedoch so schnell wächst, hat VirginMedia vor, ihre Überprüfung potentieller Möglichkeiten mit Anbietern, einschließlich Phorm, auszuweiten, bevor man irgendwelche Verpflichtungen zum Einsatz dieser Technologien eingeht. Wir wissen, dass einige Verbraucher erhebliche Bedenken in Bezug auf die möglichen Auswirkungen der Werbung nach Interessen auf ihre Privatsphäre haben. Virgin Media will sicherstellen, dass alle zukünftigen Einsätze nicht nur mit den relevanten rechtlichen Anforderungen im Einklang stehen, sondern auch mindestens mit den Richtlinien zu bewährten Verfahren, die vom Internet Advertising Bureau kürzlich in ihrem Leitfaden veröffentlicht wurden,“ heißt es von Virgin Media.

Während der Sitzung der parteiübergreifenden Parlamentsgruppe zu Kommunikationen am 6. Juli erklärte Peter John, der die Webseite der Dephormation-Kampagne betreut gegenüber MPS, dass Phorms Technologie eine Form der „Massenindustriespionage“ darstelle – „die einzigen Nutznießer sind die Medienfirmen.“

Sarah Simon, Phorms finanzielle, strategische und verfahrenstechnische Leiterin, erklärte bei dem Treffen, die Technologie der Firma halte sich nicht nur an die britischen Datenschutzgesetze, sondern gehe sogar darüber hinaus. Das System würde den Verbrauchern eine unmissverständliche Ausstiegsklausel bieten, was viele andere Werbeplattformen nicht täten.

Das britische EDRi-Mitglied Open Rights Group begrüßte BTs Entscheidung als „Sieg für die Privatsphäre“ und sagte: „Phorm wird auch weiterhin eine Bedrohung für unsere Grundrechte bleiben, indem sie Dienste anbieten, die Kommunikationen ohne die Zustimmung aller Beteiligten bespitzeln.“

Auch wenn Phorms Aktien nach BTs Bekanntmachung deutlich gefallen sind, erklärte die Firma, die unbegrenzte Aufschiebung der Einführung in Großbritannien sei kein vernichtender Schlag, da es bereits Verhandlungen mit potentiellen anderen Partnern in 15 anderen Ländern gäbe, und man mit Südkoreas größtem ISP ein Abkommen erreicht habe.

BT abandons Phorm (6.07.2009)

BT's decision to ditch Phorm is a victory for privacy (6.07.2009)

Phorm dealt major blow as TalkTalk drops Webwise (7.07.2009)

unwatched: Übergriffsverfahren gegen GB wegen Mängel beim Datenschutz (22.04.2009)

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