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Startseite » EDRi-gram Nr. 7.1, 14. Januar 2009

ENDitorial: In Mazedonien können alle mithören

Verfasst von sac am 18. Januar 2009 - 15:52
  • Mazedonien
  • Privatsphäre

Abhörgeräte, die mithilfe von Werbung verkauft werden, werden hauptsächlich von Schülern eingesetzt, die bei Prüfungen schwindeln und von Männern, die Zweifel an der Treue ihrer Ehefrauen hegen.
„Hey, wir sollten uns treffen, das sollten wir wirklich nicht am Telefon besprechen.“ Der Satz wird von Freunden, Kollegen und Verwandten seit eh und je verwendet, heute würde er bei wichtigen Angelegenheiten aber eher so lauten: „Hör zu, ich werde dir etwas zuflüstern, aber überprüf lieber zuerst dein Ohr.“

Heutzutage sind die Technologien für Kommunikationsüberwachungen und –aufnahmen so fortgeschritten, praktisch unbemerkbar und leicht erhältlich – sie können für nur 250 Denar erstanden werden. Die Geräte werden zwar keinen Aufschluss darüber liefern können, welchen Unfug Griechenland diesmal wieder ausheckt, aber man kann das schreiende Kleinkind im Raum nebenan klar und deutlich hören, seine Frau mit dem Nachbarn auf frischer Tat ertappen oder sich durch die meisten Prüfungen am Gymnasium oder an der Uni „helfen“ lassen.

Ein Elektrotechniker in Skopije, der diese Ausstattungen verkauft, hatte kürzlich ein äußerst unangenehmes Erlebnis mit den Opfern seiner Kunden. Er besteht darauf, dass wir seinen Namen hier nicht veröffentlichen.

„Ich stelle diese Geräte nur her, ich übernehme keine Verantwortung dafür, wofür Leute sie einsetzen. Meine „Wanze“ hat eine Reichweite von 50 Metern und die Aufnahme kann auch mit einem Mobiltelefon gehört werden. FM-Radiofrequenzen werden einwandfrei empfangen, außer wenn die Radiowellen der Stationen in Skopije den Empfang stören“, sagte er und zeigte uns die kleinen Sender.

Für kommerzielle Zwecke scheint der Name seiner Firma auf der Verpackung auf. Damit fingen die Probleme für den Techniker auch an.

„Ein Lehrer an einer Schule in Skopije rief mich an, ich konnte den Zorn in seiner Stimme förmlich spüren. Er hatte seine Schüler dabei erwischt, wie sie bei einer Prüfung mit einer meiner Wanzen geschwindelt haben. Was soll ich sagen, ich ermuntere sicher kein Kind zu solchen Methoden. Ich habe ihm auch erklärt, dass es noch andere junge Elektrotechniker gibt, die solcher Sender herstellen“ sagte er.

„Um das klarzustellen, ich verkaufe diese Geräte nicht, damit sie missbraucht werden. Einige Leute setzen meine Wanzen ein, um eheliche Untreuen aufzudecken. Manchmal rufen Leute an und behandeln mich, als ob ich die Dinger persönlich angebracht hätte. Ich wünschte, die Geräte würden für ehrenhaftere Zwecke verwendet, als Babyphone zum Beispiel, damit Mütter ihre Kinder hören wenn sie weinen. Für Mütter von Zwillingen würde ich sogar je eine Wanze gratis hergeben“ fügte er hinzu.

Die Geräte des mazedonischen Elektrotechnikers sind nur ein Teil einer Reihe von Geräten, die für Lauschangriffe eingesetzt werden können. Beinahe alle Mobiltelefone haben mittlerweile Voicerekorder. Die neuen Modelle sind so klein, dass sie in Ärmeln versteckt werden können. Auf eBay und anderen Seiten werden Mobiltelefone für bis zu 1 000 Euro angeboten, mit denen man andere Mobiltelefone abhören kann. Hacker-Webseiten bieten kostenlose kleine Programme im Internet an, die per E-Mail verschickt werden können und Usernamen und Passwörter des Email-Users an den Absender zurückschicken. Die Liste lässt sich fortsetzen. In den USA gibt es sogar sogenannte „spy shops“.

Durch die Ergänzungen zum Gesetz über die Überwachung von Kommunikationen wird vorhergesagt, dass Privatfirmen ebenfalls legal Überwachungsvorrichtungen erstehen, verkaufen und einsetzen können, wenn sie zuvor die Ermächtigung durch das Innenministeriums eingeholt haben. Dies betrifft hauptsächlich Sicherheitsfirmen und Detektive.

„Wir haben keine Überwachungsgeräte. Es stimmt schon, einige Kunden haben uns aufgefordert, solche Vorrichtungen zu installieren, aber wir haben uns geweigert“, erzählen die Angestellten der Sicherheitsfirma „Branitel“ in Skopije. Andere Sicherheitsfirmen erzählen Ähnliches.

Die Leute im Innenministerium sagen, bis jetzt hätte noch niemand einen Antrag auf einen Kauf gestellt, weil die Aufstellung der Kommission, die solche Anträge behandeln soll, noch in Arbeit ist.

Es gibt immer noch keine Kommission oder Körperschaft, die den Einsatz dieser Geräte kontrolliert, weder durch staatliche Behörden oder Privatfirmen.

Bis jetzt wurde noch kein effizienteres System zur Kontrolle dieser Überwachungsgeräte eingesetzt. Die Behörden sollten offenlegen, wie diese Geräte kontrolliert werden. Niemand konnte uns sagen, wie viel Geld für den Einkauf von Kommunikationsüberwachungsmittel ausgegeben wurde. Damit wird jede Art des Missbrauchs problemlos möglich. Jetzt wird auch Privatfirmen die Möglichkeit geboten, derartige Geräte einzusetzen, damit ist der Missbrauch nicht mehr nur politischer Natur. Diejenigen, die dieses Gesetz angenommen haben, werden ihm laut Professor Slagjana Taseva früher oder später auch zum Opfer fallen.

Beamte der Abteilung für den Schutz persönlicher Daten weisen darauf hin, dass es unbedingt notwendig ist, die Methode der Verwendung der persönlichen Daten, die bei solchen Lauschangriffen eingeholt werden, zu bedenken.

Die Bürger müssen darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass für solche Aktionen laut Gesetz ein Durchsuchungsbefehl erforderlich ist. Diejenigen, die die Gerätschaften per Werbeschaltungen verkaufen, sollten sich im Klaren sein, dass sie damit illegal handeln, sagt Marijana Marushik, die Direktorin der DPDP.

Nichtsdestotrotz hat es den Anschein, als ob die massiven Lauschangriffe nicht unterbunden werden können.

Original article - newspaper Nova Makedonija (Mazedonisch, 29.12.2008)

(Beitrag von Aleksandar Bozhinovski - Nova Makedonija)

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