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Startseite » EDRi-gram Nr. 7.1, 14. Januar 2009

Britischer Kulturminister fordert filmartige Bewertungen für einzelne Webseiten

Verfasst von sac am 18. Januar 2009 - 15:15
  • Großbritannien
  • Redefreiheit

Der Britische Kulturminister Andy Burnham hat Ende letzten Jahres in einem Interview mit The Daily Telegraph einige neue Pläne zur Einführung „neuer Sittlichkeitsstandards“ vorgestellt.

Der Kabinettsminister plant, einzelne Webseiten im Stil von Filmen bewerten zu lassen und will von ISPs verlangen, Eltern „kindersichere“ Webdienste anzubieten. Da das Internet globalen Charakter hat, will er auch mit der Obama-Administration verhandeln, um „internationale Regeln für englischsprachige Webseiten“ aufzustellen.

Burnham erklärte die derzeitige Situation: „In Retrospektive haben schon die Leute, die das Internet erschaffen haben, sehr bewusst über die Schaffung eines Raumes gesprochen, zu dem Regierungen keinen Zugang haben. Ich bin der Meinung, dass wir uns diese Sache jetzt ernsthaft noch einmal überlegen müssen. Es stimmt durch die Bank in Bezug auf Inhalte, schädliche Inhalte und Urheberrecht. Verleumdung gewinnt als Thema zunehmend an Bedeutung.“

In einer Stellungnahme gegenüber der BBC sagte er außerdem: „Das Internet wird in unser aller Leben zunehmend allgegenwärtig und dennoch sind die Inhaltsstandards online längst nicht so klar, wie wir es von den traditionellen Medien gewöhnt sind. Ich finde, eine Debatte über klarere Beschilderungen und Kennzeichnung online ist dringend notwendig, weil die Welt ziemlich verwirrend sein kann, besonders für Eltern, die sichergehen wollen, dass ihre Kinder ausschließlich auf angemessene Inhalte zugreifen.“

Richard Clayton vom EDRi-Mitglied FIPR hat die Pläne des Britischen Kulturministers von der Hand gewiesen und als „die kindliche Hoffnung, dass der bloße Wunsch nach etwas die Erfüllung gleich mit sich bringt“ abgetan. Er erklärte, dass alle Lösungsvorschläge bereits in der Vergangenheit besprochen und abgelehnt wurden.

„ISPs haben es schon mit „kindersicheren“ Diensten versucht, und auch jene, die ihre Systeme noch betreiben, erwähnen sie ihren Werbungen kaum noch. Ich hätte gedacht, dass es in der modernen Politik längst nicht mehr zum guten Ton gehört, eine Industrie dazu zu zwingen, Produkte herzustellen, die tatsächlich niemand kaufen will oder wird.“

Claydon hat außerdem darauf hingewiesen, dass online-Verleumdung von der Gesetzeskommission bereits zweimal in Erwägung gezogen wurde; ihr Hauptinteresse lag darin, Klagen gegen ISPs zu erschweren und bei Fragen der Archivierung.

Im Zusammenhang mit Kennzeichnungen im Web wies er auf die zehnjährige Geschichte von Fehlschlägen hin und zog zur Erklärung die Webseite von Burnhams höchsteigener Abteilung hinzu:

„Sie haben ihre Hauptseite mit dem ICRA-Schema gekennzeichnet. Man muss ihnen zugute halten, dass sie mehr als bloß ein pauschales „unverfängliches“ Setting gewählt haben, obgleich sie deutlich übertrieben haben, da auch eine Beschreibung der Einzelheiten des Glückspielgesetzes 2005 immer noch als „Glückspiel“ gekennzeichnet wird, was alle enttäuschen wird, die auf eine kleine Wette gehofft haben.

Auch wenn das DCMS das ICRA-Logo stolz auf der Hauptseite prangt, hat man sich nicht mit der Kennzeichnung ihrer Subseiten aufgehalten, wie z.B. der Kunstsammlung der Regierung, die Bilder enthält, die von einigen Leuten als unanständig aufgefasst werden könnten – wie diese Abbildung eines nackten Jungen.“

Trotz all dieser Probleme scheint die Europäische Union diese Art von Projekten auch in Zukunft unterstützen zu wollen. Die Förderung und Unterstützung bei der Entwicklung von Kennzeichnungen ist eine der Maßnahmen, die unter dem neuen EU Safer Internet Programm 2009-2013 finanziert werden.

Ein aktueller Bericht der Internet Safety Technical Task Force, einer Arbeitgruppe, die von den 49 Staatsanwälten aus den USA gegründet wurde, um sich mit dem Problem der versuchten sexuellen Anstiftung von Kindern online zu befassen, kommt zu einigen interessanten Schlüssen. Der Bericht stellt einige frühere Ansichten infrage: „Social Networking Seiten sind nicht die häufigsten Räume für versuchte Anstiftungen und ungewollten Kontakt mit problematischen Inhalten, sondern werden häufig für peer-to-peer Belästigungen benutzt, höchstwahrscheinlich deswegen, weil Minderjährige im großen Maße darauf zugreifen und sie zur Festigung von bereits bestehenden sozialen Kontakten verwenden.“

Der Bericht besagt außerdem, dass „Minderjährige online nicht alle im gleichen Maße gefährdet sind. Diejenigen, die sich am häufigsten Risiken aussetzen, haben auch in anderen Bereichen ihres Lebens Probleme. Das psychosoziale Makeup dieser Minderjährigen und die Familiendynamik in ihrem Umfeld stellen deutlich schwerwiegendere Risikofaktoren dar als die Verwendung bestimmter Medien oder Technologien.“

Internet sites could be given 'cinema-style age ratings', Culture Secretary says (27.12.2008)

Website age ratings 'an option' (27.12.2008)

Andy Burnham and the decline of standards (29.12.2008)

Web content labelling (17.09.2007)

EU Safer Internet programme 2009 - 2013

Final Report of the Internet Safety Technical Task Force to the Multi-State Working Group on Social Networking of State Attorneys General of the United States (31.12.2008)

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