Big Brother Awards Finnland 2008
Am 25. Oktober 2008 hat EFFi (Electronic Frontier Finland) im Rahmen der Finnischen Buchmesse in Helsinki zum fünften Mal die finnischen BBA verliehen. Dieses Jahr wurden die Preise an Firmen und Beamte vergeben, die sich bei der Förderung einer Orwellschen Überwachungsgesellschaft in Finnland besonders hervorgetan haben.
Die Preisträger wurden von einem Expertengremium ausgewählt, das sich heuer aus dem Politikwissenschafter Iivi Masso, Professor Tere Vadén und dem EFFi-Vorsitzenden Ville Oksanen zusammensetzte.
Kriminalkommissar Lars Hendriksson von der Nationalen Kriminalpolizei gewann haushoch in der Kategorie Einzelne mit seiner hurtigen Zensur von „schlimmem Zeug“ im Internet, wobei er die realen Tatsachen eher links liegen ließ und die Ansicht vertrat, dass „die unschuldigen Opfer nicht ankommt, solange wir ein paar der Schuldigen erwischen.“
Staatsanwalt Mika Illmann erreichte in derselben Kategorie den beachtlichen zweiten Platz. Er wurde für seine äußerst hartnäckigen Bemühungen gewürdigt, die Redefreiheit im Internet einzuschränken und dabei den Grundfesten einer Demokratie, seiner eigenen juristischen Stellung als Staatsanwalt und den technologischen Grenzen des Mediums nur sehr spärliche Aufmerksamkeit zu zollen.
Der Preis in der Kategorie Gesellschaft war von den Ministerien für Justiz, Inneres, Transport und Kommunikation heiß umkämpft, schlussendlich konnte sich aber das Justizministerium durchsetzen und gewann mit seiner aggressiven Förderung des E-Wahlsystems á la „kümmern Sie sich nicht um Ihre Stimme, wir kümmern uns darum“ und der rasanten Erosion beim Schutz der Privatsphäre und persönlicher Informationen.
TietoEnator gewann in der Kategorie Unternehmen. Nicht nur, dass sich ihr neu entwickeltes E-Wahlsystem als immun gegenüber den üblichen Sicherheitschecks bei Wahlen herausgestellt hat, auch ihr Revisionsprozess wurde untergraben, indem Prüfer aus dem Justizministerium NDAs unterzeichneten und damit verhinderten, dass ihre Ergebnisse an die Öffentlichkeit gelangen. Für die verschiedenen fehlgeschlagenen Informationstechnologieprojekte für die Regierung, die die zu Anstellungen am finnischen Informationstechnologiesektor geführt haben, wurden sogar noch Extrapunkte vergeben.
Andererseits gab es auch viele Anwärter für den positiven Winston Smith-Preis. Schlussendlich gewann Harri Hursti die Auszeichnung für seine Verteidigung der Demokratie und freier Wahlen durch Untersuchungen und Aufdeckungen zahlreicher Schwachstellen und Probleme mit den elektronischen Wahlapparaten.
Nominiert für diesen Preis waren unter anderem Matti Nikki, der gegen Zensur im Internet ankämpft, der Datenschutzombudsmann Reijo Aarnio und MEP Pia-Noora Kauppi.
Previous Big Brother awards (Finnisch)
(Beitrag von EDRi-Mitglied Electronic Frontier Finnland)


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