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Startseite » EDRi-gram Nr. 6.13, 2. Juli 2008

ICANN unterstützt Custom Domains und diskutiert Fragen zur Privatsphäre

Verfasst von sac am 5. Juli 2008 - 14:01
  • Privatsphäre
  • Weltweit
  • WHOIS Daten

Während ihrer 32. Internationalen Öffentlichen Tagung vom 22. Bis 26. Juli in Paris hat die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) dem Vorschlag zugestimmt, das weltweite System für Domainnamen auszuweiten.

Dr. Paul Twomey, Direktor und Vorstandsvorsitzender von ICANN sagte in einer Stellungnahme: „Der Vorstand hat heute eine Empfehlung seiner weltweiten Interessenvertreter angenommen, die es möglich macht, viele neue Namen im Internet einzuführen und den Weg für die Ausweitung der Wahl und Möglichkeiten bei Domainnamen zu ebnen. (...) Das Potential in diesem Bereich ist gewaltig. Den Leuten bietet sich hier eine ganz neue Möglichkeit, sich im Internet auszudrücken. Es stellt eine gewaltige Belebung für die „Immobilie“ Internet dar.“

„Die Tagung war äußerst erfolgreich und wird als Meilenstein in der Entwicklung des Internets in die Geschichte eingehen. (...) Neue generische Top Level Domains und internationalisierte Domainnamen (IDNs) werden das Internet öffnen und es genau so vielfältig aussehen lassen wie die Menschen, die es nutzen,“ sagte Peter Dengate Thrush, der Vorsitzende des Aufsichtsrates bei ICANN.

Derzeit können die User nur aus einer begrenzte Auswahl von 21 top-level Domains wählen wie .com, .org oder .info. ICANN autorisiert nun die Markteinführung von jedem neuen TLD, die durch eine durch ICANN genehmigte Eintragung ermöglicht wird, wobei die Domainnamen von Registrierstellen verkauft werden. Durch den neuen Vorschlag können Bewerber für neue TLDs ihren Domainnamen selbst wählen und als Eintragung funktionieren und die Namen für ihre eigenen Zwecke verwenden oder sie durch Registrierstellen zum Verkauf an Drittparteien anbieten. Antragsteller überall auf der Welt werden über eine „beschränkte Antragsfrist“ verfügen und die Anträge werden einen Evaluationsprozess durchlaufen, der voraussichtlich neuen Monate dauern wird. Auch wenn die Markenzeichen nicht automatisch reserviert werden, werden die Besitzer Nutzen aus einem Einspruchsmechanismus ziehen können, wodurch sie ihre Argumente zum Schutz der Marke einbringen können. Anstößige Namen werden ebenfalls dem Einspruchsmechanismus „basierend auf die öffentlichen Moralvorstellungen und Ordnung“ unterliegen, wie es von der ICANN heißt.

Eine endgültige Version des Implementierungsplans muss vom ICANN-Vorstand abgesegnet werden bevor der neue Prozess starten kann. Es ist vorgesehen, dass die Endversion Anfang 2009 veröffentlicht werden kann, Anträge für neue Namen sollen im zweiten Viertel des Jahres 2009 einbringbar sein.

Bei der gleichen Gelegenheit, bei einem Treffen vor der Tagung zur Verwaltung privater Netzwerke sagte Suzanne Sene, eine Vertreterin der US-Regierung, das Governmental Advisory Committee (GAC) verlange von der ICANN neue Forschungen zum Gebrauch und Missbrauch der Whois-Daten über die Besitzer von Internetdomains, ICANN soll für diese Studien aufkommen. Es gibt noch kein gemeinsames Abkommen zu einem Whois-Modell, die Debatte zwischen den Rechteinhabern und den Datenschutzbehörden über mehr Sicherheit für die Whois-Datenbanken, in denen die Besitzer der Domains aufgeleistet werden, dauert schon lange.

Vertreter der US-amerikanischen Behörden zur Verbrechensbekämpfung sowie einige europäische Gegenstücke haben schon oft die Meinung geäußert, dass der Zugriff auf Whois-Daten für jene gewährleistet wird, die ein „gerechtfertigtes Interesse“ haben und führen an, dass Online-Spammer oder sChwindler nur durch den völlig freien Zugriff auf die Datenbanken ermittelt werden könnten, ohne dass die betroffenen Parteien davon wüssten und ohne richterliche Verfügung. Das Ergebnis besteht darin, dass in den USA viele Proxy-Server, deren Daten in Whois gespeichert werden, anstelle von Kundendaten aufgetaucht sind.

Nach der Einführung einiger Barrieren für die Veröffentlichung umfangreicher Informationen über Domainbesitzer gibt die Britische Nominet Privatusern eine Opt-out Option, um ihre persönlichen Daten von der öffentlich zugänglichen Whois-Datenbank zu entfernen. Und nach vielen langwierigen Debatten profitieren nun auch EU-Registerstellen, die generische TLDs wie .info und .com eintragen, von der Schmälerung der ICANN-Regelungen, indem sie deutliche Anfragen im Namen ihrer eigenen Behörden einbringen, was jedoch noch nicht realisiert worden ist.

http://www.heise.de/english/newsticker/news/109882">Internet administrators in dispute over data protection for domain owners (24.06.2008)

ICANN backs custom domains, gives brand-owners nightmares (27.06.2008)

ICANN Concludes Successful 32nd Meeting in Paris (26.06.2008)

Biggest Expansion in gTLDs Approved for Implementation (26.06.2008)

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