OECD-Konferenz über die künftige Digitalwirtschaft

Die OECD hielt in Rom eine zweitägige Konferenz (30.-31. Jänner 2006) über „Die Zukunft der Digitalwirtschaft – Digitale Inhaltserstellung [Digital Content Creation], Verteilung und Zugang“ ab, bei der über 350 Teilnehmer aus Firmen, Lobby-Gruppen, nichtstaatlichen Organisationen und Regierungen zusammentrafen. Die Interessensgruppen diskutierten die Angelegenheit und besprachen, wie die Regierungspolitik auf die Änderungen in Inhaltserzeugung, Auslieferung und Anwendung reagieren sollte.

Die Diskussion konzentrierte sich weniger auf die Infrastruktur, als viel mehr auf die Debatte über die Produktion von „digitalen Inhalten“, da Breitbandzugang heutzutage weiter verbreitet ist; daher wurde es für wichtiger erachtet, über mögliche neu entstehenden Geschäftsmodelle für digitale Inhaltserzeugung zu sprechen und darüber, wie Regierungen zu einem unterstützenden Umfeld für Breitbandinhalte beitragen können.

Die Themen Digital Rights Management (DRM) und der Schutz von geistigem Eigentum wurden oft aufgeworfen. Obwohl es einige sehr unpräzise Forderungen für mehr Schutz gab, so wurden doch auch Bedenken über das richtige Gleichgewicht zwischen unterschiedlichen Interessen laut. Auch die Probleme, die DRM betreffen, wurden zur Kenntnis genommen, insbesondere die Bedenken zur Interoperabilität – was im Grunde bedeutet, eine DRM Lösung zu haben, die es erlaubt, Inhalte von einem Gerät zu einem anderen zu leiten. Auch wachsende Bedenken der verbraucher bezüglich DRM wurden zur Sprache gebracht, mitsamt der Frage, ob die Regierungen durch Regelungen dazu beitragen sollen, Interoperabilität und genormte Standards zu erschaffen. Leider gelangte man darüber zu keinem Übereinkommen.

Ein weiteres oft diskutiertes Thema war die wachsende Anzahl von Usern, die beginnen, digitale Inhalte online zu erzeugen und zu teilen, wozu DRM nicht erforderlich ist. Das Thema der neuen Usergewohnheiten und des sozialen Verhaltens wurde von mehreren Rednern angesprochen und im Forum für neue Usergewohnheiten und soziales Verhalten diskutiert. John B. Horrigon, stellvertretender Direktor von Pew Internet und American Life Project gab Einsichten in die Ergebnisse einiger ihrer Studien bezüglich Breitbandzugang und Onlineverhalten, und erwähnte die wachsende Nutzung des Internet durch Breitbanduser zur Erzeugung von Inhalten und zur Unterhaltung. Unterstützt wurde dies durch eine Präsentation von David Sifry, Präsident und CEO von Technorati, der über die wachsende Wichtigkeit von Blogs und über die Verlagerung von einer Verbraucherwirtschaft zu einer „Teilnahmewirtschaft“ sprach, und durch den BBC Creative Archive-Projektleiter Paul Gerhardt, der die Bedeutung des Aufbaus eines neuen „öffentlichen Wertes“ durch die Bereitstellung von Inhalten, die von der Öffentlichkeit wiederverwendet werden können, hervorhob.

„Netzwerkneutralität“, oder was auch als „business model neutrality“ bezeichnet wird, war eine weitere heiß diskutierte Frage, vor allem wo es um die Beteiligung von Regierungen als Regulatoren ging. Michael J. Copps, US Bundesstaatlicher Kommunikationsbeauftragter und andere Teilnehemer stellten fest, dass es nicht die Aufgabe der Regierung sei, Gewinner und Verlierer auszuwählen. Andererseits wird man abwarten müssen, ob sie sich tatsächlich an diese Aussagen halten, vor allem in Zusammenhang mit etlichen Initiativen, wie der Ausstrahlungskennzeichnung („broadcast flag“) und anderen.

Einigen Organisationen von Künstlern, Zivilgesellschaften und Verbrauchern konnten ihre Ansichten vorbringen; sie sollten aber auf jeden Fall zukünftig in größerem Maße miteinbezogen werden. Gleichfalls sollte das Thema auch aus einer breiteren Perspektive betrachtet werden und nicht nur „digitalen Inhalte“ und Wirtschaft in den Vordergrund gestellt werden.

Die Konferenz endete ohne Übereinstimmung, sondern hob eher einige umstrittene Bereiche hervor. Donald Johnston, Generalsekretär von OECD, schloss mit der Bemerkung, es stünde noch viel Arbeit bevor, bis eine Empfehlung zu diesem Thema ausgestellt werden könne.


Website of the OECD Conference on the Future Digital Economy: Digital Content Creation, Distribution and Access

(Contribution by Daniel Boos - EDRI member - Swiss Internet User Group)