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Startseite » EDRi-gram Nr. 9.5, 9. März 2011

Portugiesische Regierung nutzt "Honeypots" zur Abschreckung von Urheberrechtsverletzern

Verfasst von sac am 13. März 2011 - 13:00
  • Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte
  • Netzsperren
  • Portugal


Dieser Artikel ist auch verfügbar auf:
Englisch: Portuguese Government uses "honeypots" to deter copyright infringers

In einem Versuch, mutmaßlich illegale Downloader zu ängstigen, hat die 'Allgemeine Inspektion kultureller Aktivitäten' (IGAC) im Namen des Portugiesischen Kultusministeriums und in Zusammenarbeit mit der Portugiesischen Phonographischen Gesellschaft (AFP) entschieden, sogenannte "Honeypots" (Honigtöpfe) einzusetzen.

Der Begriff "Honeypot" beschreibt Seiten und Dienste, die als Falle eingesetzt werden, um Leute, die urheberrechtlich geschützte Dokumente herunterladen, anzulocken. Manche Filesharer sind der Ansicht, dass etliche Klagen gegen BitTorrent-User im Stile "entweder du zahlst, oder ..." auf der Nutzung solcher Dienste aufbauen, welche die Rechteinhaber seit neuestem selbst eingerichtet haben.

Die Portugiesische Regierung hat die Existenz solcher Honeypots bestätigt. Ein zwischen IGAC und AFP vereinbartes Protokoll war ursprünglich dazu gedacht, den von der AFP durchgeführten "Anti-Piraterie" Trainings für die IGAC-Kontrollore einen Rahmen zu geben. Nachdem der Text des Protokolls nicht öffentlich war, hat die Portugiesische Piratenpartei eine Klage gegen die Behörden angestrengt, so dass das die Unterlagen schließlich gemäß FoI-Gesetz zugänglich gemacht werden mussten.

Der Text beschäftigt sich unter anderem mit der Förderung von Honeypot-Systemen, wobei die Musikindustrie die IGAC ermächtigt, Stücke bei Filesharing-Seiten hochzuladen, und damit Fallen zur Sammlung von IP-Adressen portugiesischer File-Sharer aufzustellen. Der Text des Abkommens zeigt auch, dass der Hauptgrund für die Zusammenarbeit die Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch die Medien ist.

Die mit dem Honeypot-System ermittelten File-Sharer werden dann von ihren Providern benachrichtigt. Ihre Internetverbindung kann sogar wegen Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen unterbrochen werden, auch ohne dass eine staatliche Behörde einen klaren Beweis vorlegt.

Um nachzuweisen, dass unautorisiertes Material ausgetauscht worden ist, will sich die IGAC auf Screenshots stützen – ein Beweismittel, das nur allzu leicht verfälscht werden kann.

Die portugiesische Piratenpartei ist der Ansicht, dass das Vorgehen des Kultusministeriums undemokratisch ist, und nicht dem öffentlichem Interesse sondern vielmehr den Interessen der Unterhaltungsindustrie dient.

Portuguese Government Creates Honeypot To Combat Piracy (2.03.2011)
Wir sind wachsam! (Portugiesisch, 20.01.2011)

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