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Startseite » EDRi-gram Nr. 10.7, 11. April 2012

Hadopi: Bericht verschweigt Rückgang bei den Verkaufszahlen

Verfasst von sac am 16. April 2012 - 15:06
  • Copyright / Urheberrecht
  • Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte
  • Frankreich
  • Netzsperren
  • Zensur


Dieser Artikel ist auch verfügbar auf:
Englisch: Hadopi report says nothing about decreases in sales

Die französische Hadopi-Behörde verweist zwar in ihrem neuen Bericht darauf, wie hilfreich das 3-Strikes-Gesetz bei der Halbierung der Internetpiraterie im Jahre 2010 gewesen sei. In Wahrheit hat das System aber nicht den von den Befürwortern des Gesetzes angekündigten Anstieg bei den Einkünften der Kulturindustrie gebracht.

"Vergleichsstudien, bei welchen alle verfügbaren Quellen berücksichtigt wurden, zeigen einen klaren Abwärtstrend bei illegalen P2P Downloads. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich eine Verschiebung hin zu Streaming-Technologien oder direkten Downloads ergeben hat," wird im neuen Hadopi-Bericht erklärt. Die enthaltenen Statistiken zeigen einen Rückgang von 29 % bei den Besuchen illegaler Seiten im Jahre 2011 bzw. einen Rückgang um 66 % bei illegalem File-Sharing.

Eines der Hauptargumente, mit dem sich die Rechteinhaber über Jahre hinweg für ein 3-Strikes-Gesetz eingesetzt hatten, war die Behauptung, diese Form der "Piraterie" sei der Hauptgrund für ihre Einkommensbußen. Demzufolge sollte also ein signifikanter Rückgang der Piraterie in Frankreich auch zu einem Anstieg der Einkünfte führen. Allerdings verzeichnete die französische Musikindustrie 2011 einen Rückgang der Einkünfte um 3,9 %; gleichzeitig musste die französische Filmindustrie einen Rückgang ihrer Einkünfte um 2,7 % hinnehmen.

Das beweist nur, was Experten immer wieder erklärt haben – die Verfolgung illegaler Downloads ist keine Lösung und bringt der Unterhaltungsindustrie keine höheren Erträge.

Zudem zeigt der Hadopi-Bericht nur einen Rückgang illegaler Downloads bei P2P Plattformen auf (BitTorrent, µTorrent, eMule and Limewire). Was er nicht zeigt, ist die Verschiebung von diesen Plattformen hin zu direkten Downloads und zu Streamingdiensten, wo 2011 ein signifikanter Anstieg zu verzeichnen war.

Laut Médiamétrie verzeichneten Streaming- und Download-Dienste seit Oktober 2010 (dem Zeitpunkt, zu dem Hadopi erstmals Verwarnungen verschickt hat) einen Zuwachs bei den Besuchern (unique Visits) von 6,5 auf 8,3 Millionen, das entspricht einem Plus von 29 %. Das Problem dabei ist, dass sich der neue Hadopi-Bericht ausschließlich auf P2P-Piraterie konzentriert und alle anderen Aspekte beiseite lässt. Dies wird von den Anti-Piraterie-Lobbyisten künftig dazu benutzt werden, die die Wirksamkeit des Anti-Piraterie-Gesetzes als erwiesen darzustellen. Und sie werden diese Botschaft in der ganzen Welt verbreiten.

Der Ausgang der französischen Präsidentschaftswahlen könnte gewisse Auswirkungen auf das Hadopi-Gesetz haben, denn es wird derzeit lediglich von Präsident Sarkozy unterstützt. Nur ein Präsidentschaftskandidat, nämlich François Hollande, hat allerdings klar dazu Stellung genommen, dass das Gesetz überarbeitet werden soll. Alle anderen Kandidaten scheinen eher dafür zu sein, das Thema links liegen zu lassen.

* French ‘Three Strikes’ Law Slashes Piracy, But Fails to Boost Sales (30.03.2012)
* Hadopi, 1,5 Jahre nach Inkrafttreten (Französisch, 27.03.2012)
* Der Hadopi-Bericht (Französisch, 28.03.2012)
* Französischen Internet-Usern drohen Netzsperren (5.10.2011)

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