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Startseite » EDRi-gram Nr. 10.13, 4. Juli 2012

Britische Regierung plant automatisierte Netzfilter für Erwachsenenangebote

Verfasst von sac am 10. Juli 2012 - 13:32
  • Großbritannien
  • Redefreiheit


Dieser Artikel ist auch verfügbar auf:
Englisch: UK government wants an automatic filtering of adult sites

Britische Behörden beabsichtigen Internetnutzer bereits bei der Erstellung ihrer Accounts zur Filterung pornographischer Websites zu zwingen.

„Ich möchte jede Option in Erwägung ziehen, die dazu beitragen könnte Kinder zu schützen – dazu gehört auch die Überlegung, ob Internetfilter standardmäßig aktiviert werden sollten, so dass Erwachseneninhalte gesperrt werden, sofern Sie sich nicht anders entscheiden“, erklärte Premierminister David Cameron.

Im April 2012 enthielt eine unabhängige parlamentarische Untersuchung zur Kindersicherheit eine Empfehlung, wonach „ISPs beauftragt werden sollten heimischen Breitbandkunden Single-Account-Netzwerkfilter bereitzustellen, die allen Geräten, die einer Internetverbindung innerhalb von 12 Monaten angeschlossen wurden, eine Filterung mit nur einem Klick ermöglichen können“. Diese Empfehlung wurde von der Vereinigung der Internet Service Provider (ISPA) abgelehnt.

Automatisierte Netzfilter stellen eine der kürzlich im öffentlichen Diskussionspapier (Parental Internet Control) des Bildungsministeriums vorgestellten Lösungen dar. Das Dokument empfiehlt drei breit gefasste Optionen zur Wahl des besten Ansatzes, um Kinder im Internet zu schützen. Stellungnahmen zum Diskussionspapier können noch bis zum 10. September 2012 abgegeben werden.

„Wir möchte, dass dieser Fragenkatalog Unternehmen sowie Kinderrechts- und Elternorganisationen die Möglichkeit gibt der Regierung zu verdeutlichen, wie ihre Sichtweise ist, welche Bedenken sie haben und worin sie ihre Pflichten sehen. Wir möchten Meinungen dahingehend einholen, wie Eltern und Kinder besser darin erzogen werden können die Risiken im Rahmen ihrer Online-Aktivitäten zu minimieren, aber auch Meinungen hinsichtlich des Potentials technischer Lösungen und was getan werden kann, um Probleme wie Cyber-Bullying zu bekämpfen“, heißt es in dem Dokument.

Eine der Optionen nennt sich „Aktive Wahl“. Dabei werden neue Internetkunden gefragt, ob sie einen freien Zugang zu jeglichen Inhalten wünschen. Die Version „Aktive Wahl Plus“ sperrt Erwachseneninhalte zwar automatisch, gibt Nutzern jedoch auch die Möglichkeit die Einstellungen zu ändern, um auf Websites mit Pornographie, Gewalt oder anderen ausschließlich für Erwachsene vorgesehenen Inhalten zugreifen zu können.

Die vier größten Internetprovider des Landes – BT, TalkTalk, Virgin Media und Sky – überlassen ihren Kunden bereits die Wahl, ob Filter angewendet werden sollen, doch nach Ansicht der Regierung ist diese Technologie nicht absolut wirksam.

Das Konsultationspapier ist allerdings nicht sehr präzise formuliert, was mit großer Wahrscheinlichkeit zu unterschiedlichen Interpretationen und Unstimmigkeiten führen wird. Sollte der Vorschlag der Regierung umgesetzt werden, könnten ISPs verpflichtet werden Websites für Erwachsene automatisch zu blockieren, ohne ihren Kunden eine Wahlmöglichkeit zu geben.

„Diese Büchse der Pandora fördert Zensurtechnologien und könnte den Zugriff auf gänzlich legitime und harmlose Websites verhindern“, so Jim Killock, Geschäftsführer des EDRi-Mitglieds Open Rights Group.

* We must not set up network censorship (28.06.2012)
* e-consultation tool: Parental Internet Controls
* Parental Internet controls - public consultation
* Automatic bar on net porn considered (28.06.2012)
* Ministers consult public on 'opt in for smut' plans- Just tick here, sir, in the 'I am a pervert' box (28.06.2012)
* unwatched: ENDitorial - Schutz von Kindern im Internet sollte nicht mit Zensur einhergehen (23.05.2012)

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