Kultur: Globaler Wandel in Produktion und Konsum
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Englisch: Culture: Global changes in production and consumption
Am 7. Juni 2012 luden die Grünen EP-Abgeordneten Eva Lichtenberger, Sandrine Bélier und Helga Trüpel zu einer Veranstaltung über den globalen Wandel in Produktion und Konsum von Kulturgütern.
Der erste Vortragende der Veranstaltung war Frédéric Martel, seines Zeichens Autor, Journalist, Forscher und Literaturkritiker, der in der französischen Botschaft in Boston als Leiter der Kulturabteilung tätig war. Seiner Ansicht nach ist der Wandel auf zwei unterschiedliche Phänomene zurückzuführen: Globalisierung und Digitalisierung. Das Novum dabei ist, dass die Entwicklungsländer an diesen Phänomenen teilhaben und sich der Globalisierung und der Digitalisierung zur selben Zeit anpassen müssen.
Der Zugang zur Digitalisierung ist laut so Martel in Europa jedoch anders als in den Entwicklungsländern. So legt die Urheberrechtsindustrien in Europa ein defensives Verhalten gegenüber der Digitalisierung an den Tag, während Entwicklungsländer sie als Chance wahrnehmen. Die kreative Industrie verändert sich, doch man darf nicht aus den Augen verlieren, dass die großen amerikanischen Studios auch kleine unabhängige Studios finanzieren.
Eine neue Debatte über die Vielfalt ist entstanden, weil kulturelle Themen – trotz der Globalisierung – national behandelt werden. Staaten wie Brasilien haben nicht die Kapazität nach dem US-amerikanischen oder europäischen Urheberrechtssystem zu arbeiten, erklärte Martel.
Es folgte Philippe Aigrain, Mitgründer der Organisation La Quadrature du Net. Aigrain trat zu Beginn seines Vortrags für die Legalisierung von Filesharing ein und verwies auf die Notwendigkeit, neue Finanzierungssysteme – etwa globale Lizenzen – zu entwickeln. Im weiteren Verlauf konzentrierte er sich jedoch auf den realen Alltag in der kulturellen Produktion und auf kreatives Schreiben als neue Produktionsmöglichkeit.
Heute spielen nicht-marktwirtschaftliche Aktivitäten eine wichtige Rolle, mehr sogar als das Verkaufen und Lizenzieren von Inhalten, meint Aigrain. Das Internet solle nicht als Vertriebsweg gesehen werden, sondern als Ort kulturellen, kreativen und expressiven Schaffens. Das Internet ist ein Werkzeug zur Gestaltung, so Aigrain. Die Produktion von Texten durch Blogs, Microblogs und Ähnlichem, die Fair-Trade-Veröffentlichungen zugunsten von Autoren und Lesern erlauben, sei beachtlich.
Die letzte Vortragende, Lucy Montgomery von der Queensland University of Technology (Australien), sprach über den chinesischen Markt, wo neue Geschäftsmodelle entstehen. Als Beispiele führte sie die Bereiche Musik, Film und Mode an. Hier boome der Markt trotz Piraterie und Markenfälschungen und die Menschen würden viel konsumieren – bloß anders als bisher. Das Urheberrecht gänzlich abzuschaffen, sei verrückt, jedoch sei es notwendig, die gemeinsame Entwicklung von Innovation und Urheberrecht, die ein komplexes Öko-System darstellt, zu verstehen.
(Ein Beitrag von Elena Cantello – EDRi Voluntärin)
* Webpage of the event (7.06.2012)
* Recorded stream of the event (7.06.2012)


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