#DNP12: Über den Zusammenhang von Privatsphäre und Psyche
Die vor allem vom aus dem Webmagazin Telepolis bekannte Journalistin Bettina Hammer, besser bekannt als "Twister", analysierte gegen Ende des zweiten Tages beim #DNP12 Kongress, welche gravierenden Auswirkungen sich durch datenschutzrechtliche Lücken und den mangelnden Schutz der Privatsphäre in der Psyche der Menschen manifestieren. So berichtet sie zum Beispiel darüber, dass im Zuge der Vorratsdatenspeicherung immer mehr Menschen den Eindruck haben, sie müssten sich verstellen. Aus Angst für verrückt oder paranoid gehalten zu werden, kommt die Unmöglichkeit hinzu, über die Angst vor dem Preisgeben persönlicher Ansichten und Wünsche oder über die eigenen Befürchtungen in Hinblick auf Datenschutz zu reden.
Sie erzählt von einem Fall, in dem die ganz normalen Sorgen einer Bürgerin um ihre informationelle Selbstbestimmung sogleich als psychisches Krankheitsbild eingestuft und protokolliert wurden. In jedem Falle, so Twister, hätte diese Frau keine andere Wahl als entweder für verrückt gehalten zu werden, oder ihre kritischen Ansichten zu datenschutzrechtlichen Fragen zu verleugnen. Hier entsteht Zwang, der Mensch kann nicht mehr frei agieren. Ähnliches gilt für Hartz 4 Empfänger, die sich nicht weigern könnten bestimmte Daten anzugeben, weil sie dann ihre Lebensgrundlage verlieren. Entweder die Daten – oder es gibt kein Geld.
Weiters hätten immer mehr Menschen Angst, psychotherapeutische Hilfe anzunehmen wenn es ihnen schlecht geht. Sie wollen nicht, dass ihnen danach auf ewig mit den digital gespeicherten Daten das Stigma psychischer Beeinträchtigung nachhängt.
Mit zunehmender Überwachung per Kamera, im Internet und über andere Kommunikationskanäle schrumpft der überwachungsfreie Raum. Es entsteht eine fast vollständig überwachte und analysierte Gesellschaft, die ihre Individuen ständig im Hinblick auf bestimmte Normen hin überprüft. Nur wenige Inseln verbleiben, auf denen Menschen einfach völlig ungestört und unbeobachtet Mensch sein dürfen. Eine bunte Palette an psychosomatischen Beschwerden, von Magenschmerzen bis Angststörungen, sind das Ergebnis. [unwatched]
Kurz-URL zu diesem Artikel: http://unurl.org/iPD
Bild: unwatched/Matthias Tonitz


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