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Nach Google und Facebook liest jetzt auch Microsoft mit

Datenklau

Vor einigen Tagen hat Microsoft neue Nutzungsbedingungen für seine Dienste in Kraft gesetzt und behält sich nun das Recht vor, E-Mails, Chats oder Fotos seiner Kunden zu filtern und Nutzerdaten mehr als bisher zu verwerten. Die neuen Bestimmungen gelten für Microsoft Hotmail, Microsoft SkyDrive, Microsoft-Konto, Windows Live Messenger, Windows-Fotogalerie, Windows Movie Maker, Microsoft Mail Desktop, Windows Live Writer (so genannte „Microsoft-Dienste“), Bing, MSN, Office.com und alle sonstigen Softwareprodukte, Websites und „Dienste“, auf die im Vertrag verwiesen wird.

Seit 19. Oktober müssen User somit zustimmen, dass ihre „Inhalte“ (z.B. Daten, Dokumente, Fotos, Video, Musik, E-Mail und Sofortnachrichten) von Microsoft „genutzt, geändert, angepasst, gespeichert, vervielfältigt, verteilt und angezeigt werden dürfen“ und beispielsweise Informationen aus E-Mail-Nachrichten, Chats oder Fotos filtert (und gegebenenfalls auch entfernt). Nur wer der „erweiterten Verarbeitung“ seiner Daten zustimmt, kann die Microsoft-Angebote nutzen.

Damit befindet sich Microsoft nun fast auf der gleichen Stufe wie Google. John M. Simpson von Consumer Watchdog kritisiert gegenüber der InformationWeek, dass Microsoft nun auch die Erlaubnis hat Dienste miteinander zu verknüpfen. Microsoft wolle die Möglichkeit haben, riesige digitale Akten über seine Nutzer zusammenzutragen und diese Informationen zu Geld zu machen.

Erst vor Kurzem haben 27 europäische Datenschutzbehörden diese Verknüpfungspraktiken bei Google kritisiert, und das Unternehmen aufgefordert, die allgemeinen Grundsätze des Datenschutzes einzuhalten (unwatched berichtete).

Einzig auf der Ebene der personalisierten Werbung unterscheiden sich Google und Microsoft (noch), resümiert die Zeit. Der Software-Riese gibt an, die gescannten E-Mails nicht dafür zu verwenden. Es muss jedoch nicht bedeuten, dass dies für die Zukunft ausgeschlossen werden kann. So macht Teltarif darauf aufmerksam, dass sich Microsoft die Möglichkeit offen hält, die Nutzerbedingungen zu ändern, nachdem man diesen zugestimmt hat.

Noch im Frühling dieses Jahres hat Microsoft in seiner Werbekampagne Putting people first das Durchleuchten privater Nutzerdaten durch Google verurteilt. Auch bei der Einführung von Outlook.com soll das Unternehmen versichert haben, dass E-Mails weder gescannt, noch daraus irgendwelche Informationen an Dritte weiterverkauft werden. Im jetzigen „Vertrag über Microsoft-Dienste“ ist davon keine Rede mehr, ebenso wenig wie in den Onlinedatenschutzbestimmungen.

Während sich Microsoft in die Reihe jener US-Unternehmen eingereiht hat, die wie Google oder Facebook gigantische Berge an Nutzerdaten anhäufen, hoffen viele europäische User einmal mehr darauf, dass die EU möglichst bald eine Datenschutzverordnung verabschiedet, die ihren Namen auch verdient. [unwatched]

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Bild: © Antje Delater / pixelio.de