Das Orwell'sche Klassenzimmer
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George Orwells Heimat ist wahrscheinlich das Land mit der weltweit größten Dichte an Überwachungskameras. Nun zeigt ein aktueller Bericht der Bürgerrechtsorganisation Big Brother Watch auf, welch unglaubliche Blüten der Überwachungswahn sogar in Britanniens Klassenzimmern treibt.
Unter Berufung auf das Informationsfreiheitsgesetz hat Big Brother Watch bei über 4.000 weiterführenden Schulen in England, Schottland und Wales angefragt, ob und in welchen Bereichen sie ihre Schülerinnen und Schüler mittels Videokameras überwachen.
Videokameras verfolgen die Kinder teils bis aufs Klo
Die Umfrage zeigte, dass in den rund 2.000 Schulen, die die Anfrage beantwortet haben, insgesamt 47.806 Kameras installiert sind, 26.887 davon filmen dabei innerhalb des Schulgebäudes. Hochgerechnet ergibt sich daraus die unglaubliche Zahl von mehr als 100.000 Überwachungskameras, die in britischen Schulen in Betrieb sind, so der Bericht (pdf, 24 Seiten) von Big Brother Watch. Volks- und Grundschulen sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.
Im Schnitt kommt eine Kamera auf 48 Kinder, in manchen Schulen sind so viele Kameras installiert, dass eine Kamera auf fünf Kinder kommt.
In mehr als 200 Schulen sind die Kameras auch in Toiletten und Umkleideräumen installiert. Mit ganzen 20 Überwachungskameras in Toiletten und Garderoben nimmt dabei die Radclyffe School in Oldham den ersten Platz unter den britischen Schulen ein. Müßig zu erwähnen, dass all diese Maßnahmen damit gerechtfertigt werden, sie dienten dem Schutz der Kinder vor Übergriffen, Diebstählen und Mobbing ...
Die wesentlichste Frage, die sich aus dieser Untersuchung ergibt, ist die, wie die Videoüberwachung in Schulen überhaupt solche Ausmaße annehmen konnte, ohne dass irgendjemand Bedenken angemeldet hat, so die Bürgerrechtler von Big Brother Watch.
Sinn der Maßnahme nicht überprüft
Zudem kritisieren sie den Umstand, dass über die Sinnhaftigkeit der Videoüberwachung (in Schulen) bisher noch keine ernstzunehmenden Untersuchungen durchgeführt wurden. Man wisse von keiner entsprechenden Studie im Königreich; allerdings sei im Jahre 2007 eine Evaluierung der Maßnahme in der Region Île-de-France (Paris und Umgebung) durchgeführt worden. Dabei habe sich gezeigt:
- Diebstähle und Einbrüche sind trotz der Installation von Kameras weiter angestiegen.
- Dort, wo die Kameras im Außenbereich angebracht wurden, um den Zutritt Unbefugter zu unterbinden, haben die Betreffenden die Kameras umgangen und sich trotzdem Zutritt verschafft.
- Noch weniger haben die Kameras dazu beigetragen, nächtliches Eindringen zu verhindern.
- In Bezug auf die schulische Ordnung ist eine marginale Verbesserung eingetreten.
Die Überwachungsversuche der letzten zwanzig Jahre hätten nicht dazu beitragen können, die Kriminalität zu senken oder die öffentliche Sicherheit zu erhöhen, nun sei es endlich Zeit, einen neuen Weg einzuschlagen, so Big Brother Watch. [unwatched / BigBrotherWatch]
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Bild: Neo_II (CC BY-SA 2.0)


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