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Forscher untersuchen chinesische Zensur

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Informatiker der Universitäten Harvard und Hongkong haben die staatliche Zensur Chinas auf dem chinesischen Twitter-Äquivalent Sina Weibo untersucht, um zu beobachten, welche Meldungen gelöscht werden. Drei interessante Dinge sind dabei herausgekommen: eine Software zur Suche von zensierten Beiträgen namens WeiboScope, die Existenz geschätzter 20.000 bis 50.000 Zensoren und ein wissenschaftlicher Beweis dafür, dass die Begründungen für die Zensur fadenscheinig sind.

Um zensierte Nachrichten zunächst einmal ausfindig zu machen und dann untersuchen zu können, was zensiert wird, entwickelten die Forscher das Programm WeiboScope, das die Beiträge von rund 300.000 der insgesamt 300 Millionen Nutzer der Plattform auswertet. Die Software lädt die Posts der User herunter und identifiziert die später zensierten Beiträge.

Die gelöschten Meldungen beschäftigten sich vorwiegend mit für den Staat unangenehmen Persönlichkeiten wie zum Beispiel dem blinden Menschenrechtsaktivisten Chen Guangcheng, der im Mai diesen Jahres ins amerikanische Exil flüchtete und seinen Fluchthelfer Gary Locke, einem englischen Botschafter. Auch Spekulationen über eine Hinrichtung des 1989 verhafteten Dissidenten Li Wangyang wurden sofort gelöscht. Der Bürgerrechtler soll sich nach offiziellen Angaben selbst erhängt haben.

Als offizielle Begründung, warum Betreiber von Internetdiensten ihr Material vor der Veröffentlichung von einer staatlichen Stelle sichten lassen müssen, gibt die staatliche Verwaltung für Radio, Film und Fernsehen an, sie wolle die Verbraucher vor "vulgären Inhalten" schützen. Nun existiert immerhin wissenschaftliches Material, welches dem klar widerspricht.

Die Forscher wollten es aber noch genauer wissen, also sendeten sie selbst Nachrichten von verschiedenen Accounts, sozusagen als Testballons. Dabei vermieden sie Schlagwörter und verpackten subtile Kritik in lyrische Formeln oder mit Hilfe von Codewörtern. Auch diese wurden binnen weniger Sekunden entfernt. Für den Hongkonger Medienwissenschaftler Fu King-wa lässt das nur eine Schlussfolgerung zu: "Aufgrund der Tatsache, dass die chinesische Zensur die Weibos (quasi die "Tweets") ausfindig machen und löschen konnte, muss die Überwachung durch Menschen erfolgen." Etwa 20.000 bis 50.000 Zensoren verrichten seinen Schätzungen nach diese Arbeit von Hand. [unwatched / standard]

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Bild: © weibo.com