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Google Street View: Wer trägt die Schuld am WLAN-Skandal?

Google Firmensitz

Das unerlaubte Mitschneiden von WLAN-Daten im Rahmen der Vorbereitungen für seinen Panoramadienst Street View hat dem Internetriesen Google bereits jede Menge Ärger eingehandelt. Ungeklärt blieb bislang jedoch die Schuldfrage.

Hatte Google anfangs noch von einem offensichtlichen Programmierfehler gesprochen, stellte sich kürzlich heraus, dass ein Google-Mitarbeiter die Software bewusst programmiert hatte. Davon wollten die anderen Mitarbeiter, die an Street View migearbeitet haben, jedoch nichts gewusst haben.

Aus einem Dokument der US-Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC), die unter anderem untersucht hatte, ob und in wie weit Google gegen den Verbraucherschutz und das Abhörgesetz verstoßen hat, geht aber hervor, dass die WLAN-Panne keineswegs die Schuld eines einzelnen Google-Mitarbeiters gewesen ist. Tatsächlich habe ein Projektpapier zu den WLAN-Aufzeichnungen existiert. Allerdings hätten unterschiedliche Google-Ingenieure verabsäumt, dieses zu überprüfen. Es handle sich also um eine „Projekt-Panne“, so eine Google-Sprecherin.

Gemäß den FCC-Dokumenten dürften sogar einzelne Google-Ingenieure sowie ein Mitarbeiter in einer Management-Position konkret darüber informiert gewesen sein, dass es sich bei den gesammelten Daten auch um den Datenverkehr der unverschlüsselten WLAN-Netze handelt. Umso erstaunlicher ist es, dass diese „Projekt-Panne“ in dieser Form zustande kommen konnte.

Britischer Datenschützer nimmt Ermittlungen wieder auf

Unterdessen hat der britische Datenschutzbeauftragte seine Untersuchungen gegen Google wieder aufgenommen. Nachdem er Google nach seiner ersten Untersuchung Ende 2010 bloß ermahnt hatte, sieht er sich nun aufgrund des ersten FCC-Berichts vom April dieses Jahres, aus dem hervorgeht, dass ein Google-Mitarbeiter wissentlich an dem WLAN-Projekt gearbeitet hat, gezwungen genauer hinzusehen. Insbesondere soll geklärt werden, ob und in wie weit die Führungsriege von Google über das Vorhaben informiert war.

Hintergrund

Bereits im Mai 2010 wurde bekannt, dass Google-Fahrzeuge bei seinen Fahrten durch unterschiedliche Länder von 2008 bis 2010 nicht bloß Bilder von Straßenzügen aufgenommen, sondern auch Datenfragmente von ungesicherten WLAN-Netzen mitgeschnitten hat. Im Oktober hatte Google zudem gestanden, dass sich unter den gesammelten Daten auch vollständige E-Mails, URLs und Passwörter befunden haben. Die FCC hatte ihre Ermittlungen gegen Google Ende 2010 auf Initiative der Bürgerrechtsorganisation Electronic Privacy Information Center (EPIC), welche bei der Behörde Beschwerde gegen Google eingereicht hatte, aufgenommen.

Zuvor haben bereits etliche europäische Staaten, etwa das Vereinigte Königreich, Deutschland, Italien und Frankreich sowie die US-Staatsanwaltschaft und die US-Handelsbehörde Federel Trade Commission (FTC) mit unterschiedlichen Ergebnissen – von bloßen Ermahnungen bis hin zu Geldstrafen – gegen Google ermittelt. [unwatched / heise]

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Bild: Surka