Direkt zum Inhalt

FBI plant geheime "Big Brother"-Einheit

FBI Headquaters, J Edgar Hoover Building in Washington, D.C.

Das Federal Bureau of Investigation (FBI) lässt offenbar nichts unversucht, um die Kontrolle über die eigenen Bürger auszuweiten. Nachdem erst kürzlich durchgesickert ist, dass die Ermittlungsbehörde von Internetkonzernen wie Facebook, Google und Yahoo gefordert haben soll, in ihren Angeboten eine spezielle Hintertür zum raschen Abhören der Nutzer einzubauen, sorgt nun bereits die nächste Meldung für Proteststürme bei US-Bürgerrechtlern.

Demnach soll das FBI gerade im Geheimen dabei sein, eine neuartige Überwachungsabteilung namens "Domestic Communications Assistance Center" (DCAC) ins Leben zu rufen, die das Ausspionieren von digitaler Kommunikation auf ein neues Level heben soll.

"Dank des Patriot Act II ist es den Behörden in den USA bei Terrorverdacht möglich, jedwede Kommunikation von Verdächtigen zu überwachen", erklärt Jörg Bauer, Gründer der Initiative Privat im Internet gegenüber pressetext. Auch in Europa gebe es mittlerweile ähnliche Tendenzen in Richtung Überwachungsstaat. "Innerhalb der EU bemüht man sich vehement darum, die entsprechenden Möglichkeiten auszuweiten. Gerade im deutschsprachigen Raum ist hier allerdings ein starker Widerstand seitens der Datenschützer zu spüren", so Bauer, der mit seiner Initiative vor allem auf Bewusstseinsbildung auf Nutzerseite setzt.

Keine klaren Informationen
Wie und was sich genau hinter dem DCAC verbirgt, lässt sich einem aktuellen C|net-Bericht zufolge nur schwer eruieren. Das FBI ist anscheinend sehr darum bemüht, jegliche Information zur neuen Überwachungseinheit unter Verschluss zu halten. "Die DCAC soll die Forschungs- und Entwicklungsbemühungen von bundesstaatlichen, staatlichen und lokalen Strafverfolgungsorganen im Bereich der elektronischen Überwachungsmöglichkeiten zum Durchbruch verhelfen und den Technologieaustausch zwischen den einzelnen Behörden erleichtern", lässt die US-Behörde lediglich kurz und knapp wissen.

"Die große Frage lautet meiner Meinung nach, warum es keine Klarheit darüber gibt, was hier passiert", stellt Jennifer Lynch, Anwältin bei der US-amerikanischen Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF), klar. "Wir müssen mehr über dieses Programm und die Aktivitäten des FBI wissen", bringt Lynch die Kritik vieler Kollegen auf den Punkt. "Dass das FBI hier keine Informationen herausrückt, ist nicht verwunderlich. Wenn es um das Thema Überwachung geht, wird oft versucht, Transparenz zu vermeiden", meint Bauer.

54 Millionen Dollar für Überwachung
Wie C|net aus eingeweihten Kreisen erfahren haben will, ist das FBI zurzeit gerade erst dabei, das DCAC an den Start zu bringen. Einsatzfähig soll die "Big Brother"-Abteilung jedenfalls gegenwärtig noch nicht sein. Wann es soweit sein wird, lässt sich wohl nur schwer abschätzen. Die finanziellen Mittel für die neue "Überwachungs-Eliteeinheit" sind jedenfalls schon jetzt gesichert: Erst im vergangenen Monat hat der US-Senat insgesamt mehr als 54 Mio. Dollar (rund 43 Mio. Euro) für die Weiterentwicklung von technologischen Überwachungsmöglichkeiten bewilligt. Wie viel von dieser Summe an das DCAC gehen soll, ist nicht bekannt. [pte]

Kurz-URL zu diesem Beitrag: http://unurl.org/hxZ
Bild: Kmf164 / Wikimedia