Direkt zum Inhalt

Umfrage: Privatsphäre hat Vorrang vor Sicherheit

Die Mehrheit der EinwohnerInnen hält Österreich für ein sicheres Land; nur eine kleine Minderheit wäre bereit, für mehr Sicherheit auf ihre Privatsphäre zu verzichten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie über das Sicherheitsempfinden in Österreich.

Im Rahmen der repräsentativen Studie Freiheit & Sicherheit in Österreich, durchgeführt unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Reinhold Popp vom Zentrum für Zukunftsstudien an der Fachhochschule Salzburg, wurden insgesamt 1.000 ÖsterreicherInnen ab 15 Jahren befragt, ob sie glauben, dass (1) Österreich ein sicheres Land ist, ob ihnen (2) ihre Sicherheit wichtiger ist als ihre Privatsphäre und wie es um die (3) persönliche Freiheit im Land bestellt ist.

Eine Mehrheit von 52 % der Befragten hält der Studie zufolge Österreich für ein sicheres Land. Auch wenn eine gewisse Angst vor Terrorismus zu verzeichnen ist, wäre nur eine kleine Minderheit (14 %) der Österreicherinnen und Österreicher bereit, für mehr Sicherheit auf die Privatsphäre zu verzichten – "ein wichtiger Hinweis für zukunftsfähige Konzepte in der österreichischen Sicherheitspolitik", wie Studienleiter Reinhold Popp meint.

Demgegenüber sind nur rund zwei Fünftel (43 %) der Österreicherinnen und Österreicher davon überzeugt, dass die persönliche Freiheit in der Alpenrepublik sehr groß ist, worin Popp "ein beachtliches zukunftsorientiertes Entwicklungspotenzial" ortet.

Die Mehrheit fühlt sich sicher
Bei der Einschätzung "Österreich ist ein sicheres Land" gibt es keine nennenswerten Unterschiede zwischen den befragten Altersgruppen. Männer (57 %) vertreten diese Meinung aber deutlich häufiger als Frauen (47 %); zudem steigt das Sicherheitsgefühl mit dem Bildungsgrad. Regional betrachtet fühlt man sich in den westlichen Bundesländern am sichersten – Spitzenreiter ist hier Vorarlberg mit 71% Zustimmung – am wenigsten sicher fühlen sich die BurgenländerInnen mit nur 32 % Zustimmung).

Nur wenige wollen Teil ihrer Privatsphäre opfern
„Nur wenigen der befragten Österreicherinnen und Österreicher (14 %) ist ihre Sicherheit so viel Wert, dass sie dafür einen Teil ihrer Privatsphäre opfern würden. Zwischen Männern und Frauen gibt es keinen nennenswerten Unterschied. Besonders stark schützen die Jüngeren (9 %) ihre Privatsphäre. Die Altersgruppe 55+ neigt deutlich stärker zur Sicherheit (18 %)", so Popp. Dennoch ist auch in dieser Altersgruppe nur rund ein Fünftel der Menschen bereit, Privatsphäre gegen Sicherheit einzutauschen.

Je höher die Ausbildung desto geringer ist auch die Bereitschaft zum Verzicht auf die Privatsphäre ausgeprägt. Im Bundesländervergleich würden überdurchschnittlich viele Ober- und NiederösterreicherInnen zu Gunsten ihrer Sicherheit auf ihre Privatsphäre verzichten. Besonders selten findet man diese Bereitschaft in Vorarlberg (6 %), Kärnten (8 %), Wien und Salzburg (jeweils 9 %).

Viele orten Mangel an persönlicher Freiheit
"Im Hinblick auf die persönliche Freiheit gibt es aber durchaus noch einiges zu tun", stellt Studienleiter Popp fest. "Denn nur 43 % der Österreicherinnen und Österreicher sind davon überzeugt, dass die persönliche Freiheit in unserer Alpenrepublik sehr groß ist. Männer (46 %) glauben dies häufiger als Frauen (41 %)", wobei die gefühlte Freiheit bei den Männern in der Altersgruppe 55+ auf beachtliche 54 % ansteigt.

"Im Bundesländervergleich fühlen sich die Tiroler, die Niederösterreicher und die Wiener besonders frei. Salzburg, das Burgenland und die Steiermark liegen im Mittelfeld. Besonders selten empfindet man das Gefühl der persönlichen Freiheit in Kärnten, Oberösterreich und Vorarlberg."

Die Ergebnisse dieser Studie stehen in Einklang mit den Ergebnissen ähnlicher Untersuchungen. So ergab beispielsweise eine Studie der oekonsult "Zehn Jahre nach 9/11", dass nur eine kleine Minderheit den reflexhaften Ruf nach immer rigoroserer Überwachung als zielführend erachtet (unwatched berichtete). Drei Viertel der dort Befragten sprachen sich hingegen – nach norwegischem Beispiel – für mehr Offenheit, Demokratie und Toleranz als Antwort auf den Terror aus.

Trotzt ihrer Eindeutigkeit dürften sich die Erkenntnisse der Wissenschaft aber noch nicht bis in die Sphären der Politik durchgesprochen haben, denn im Innen- und Justizressort wird weiterhin an der massiven Verschärfung von Überwachungsmaßnahmen gearbeitet.

Dies möchte eine Bürgerinitiative des österreichischen Arbeitskreis Vorratsdaten (AKVorrat.at) nun ändern. Sie macht sich für die Abschaffung der Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung und für eine Evaluierung sämtlicher Terror-Gesetzte stark (unwatched berichtete).

[unwatched / fhs forschung.at]

Kurz-URL zu diesem Artikel: http://unurl.org/eWQ